Bisher enden Verträge, die per eSignatur freigegeben wurden, in SharePoint meist als unstrukturierte PDF-Dateien. Um deren Rechtsgültigkeit automatisiert nachzuverfolgen oder Compliance-Audits durchzuführen, musstest du bislang externe Power Automate-Workflows an die APIs der Signaturanbieter (wie DocuSign oder Adobe) anbinden.
Ab Dezember 2026 zieht Microsoft diese Erkennung direkt in die Ingestion-Pipeline von SharePoint Online (Roadmap ID 500873), wodurch signierte Dokumente nativ beim Upload als solche identifiziert werden.
Architektur: Erkennung & Index
Um die Sichtbarkeit und Kontrolle über Vertragsdokumente architektonisch sauber abzubilden, implementiert Microsoft das sogenannte eSignature Smart Tagging. Sobald eine Datei in eine SharePoint-Dokumentenbibliothek hochgeladen wird, analysiert der Dienst das PDF im Hintergrund auf kryptografische Signaturen. Wird eine gültige Signatur erkannt, taggt SharePoint das Dokument automatisch. Der Benutzer muss hierfür nicht eingreifen und es sind keine externen Event-Trigger mehr notwendig.
Die neuen System-Metadaten
Für die technische Umsetzung injiziert das System zwei neue, optionale Metadaten-Spalten auf Bibliotheksebene:
- Electronically Signed: Ein boolescher Wert (Ja/Nein), der den kryptografischen Status der Datei anzeigt.
- Signature Provider: Ein Textfeld, das den ausstellenden Dienst identifiziert (z. B. DocuSign, Adobe Acrobat Sign oder die native SharePoint eSignature).
Dieser Mechanismus greift nicht nur bei neuen Uploads. Der SharePoint-Indexer durchläuft auch bestehende Dateien in den Bibliotheken rückwirkend, wodurch die Notwendigkeit entfällt, aufwendige PowerShell-Migrationsskripte zu schreiben, um Altbestände manuell zu klassifizieren.

Purview Retention & DLP
Voraussetzung für diese Automatisierung ist, dass auf Tenant-Ebene das „SharePoint eSignature„-Feature aktiviert ist. Ist dies gegeben, ergeben sich neue Architektur-Möglichkeiten für das Compliance-Management. Du kannst fortan Microsoft Purview Retention Policies oder Data Loss Prevention (DLP) Regeln direkt an den Metadaten-Tag „Electronically Signed = true“ binden. Verträge werden so systemseitig vor versehentlichem Löschen geschützt oder nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist automatisiert vernichtet, wodurch die menschliche Fehlerquelle bei der Metadatenpflege vollständig eliminiert wird.
Fazit: Governance & Schnittstellen
Das Smart Tagging schließt eine erhebliche Lücke im Dokumenten-Lebenszyklus. Da die Erkennung nun nativ im SharePoint-Indexer stattfindet, reduzierst du die Abhängigkeit von komplexen und wartungsanfälligen Power Automate-Schnittstellen zu Drittanbietern. Das erleichtert nicht nur die Architektur der Compliance-Audits massiv, sondern sorgt auch für einen sauberen, systemisch kontrollierten Datenbestand bei deinen Vertragsarchiven.
Der Rollout startet global im Dezember 2026.
| Microsoft 365 Roadmap | eSignature Smart Tagging for Electronically Signed Documents | https://www.microsoft.com/en-us/microsoft-365/roadmap?id=500873 |


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