Backup & Storage
Backup-Strategie
Overview
Eine Backup-Strategie ist der dokumentierte Plan für Datensicherung und Wiederherstellung. Sie beantwortet, welche Systeme und Daten gesichert werden, wie viel Datenverlust (RPO) und Ausfallzeit (RTO) tragbar sind, wo die Kopien liegen und wer den Restore im Ernstfall durchführt.
Abzugrenzen sind Snapshots und Replikation: Sie bieten schnelle Rücksprünge, sind ohne getrennte, unabhängige Kopie aber kein vollwertiges Backup. Ebenso ersetzen Aufbewahrungsrichtlinien in Microsoft 365 kein Backup, weil sie für Compliance gedacht sind und nicht für die Wiederherstellung nach Löschung oder Verschlüsselung.
Ransomware greift gezielt Backups an, deshalb gehören Trennung, Unveränderlichkeit und Schutz der Backup-Infrastruktur zur Strategie. NIS2 nennt Backup-Management ausdrücklich als Risikomanagementmaßnahme, und für Rechnungs- und Buchhaltungsdaten gelten Aufbewahrungspflichten aus GoBD und Handelsrecht.
How it works
Die Strategie entsteht in festen Schritten:
- Systeme und Daten nach Schutzbedarf einstufen, gemeinsam mit den Fachbereichen.
- Je System RPO und RTO festlegen und daraus Sicherungsart (voll, inkrementell, differentiell) und Intervall ableiten.
- Speicherziele nach der 3-2-1-1-0-Regel wählen: drei Kopien, zwei Medientypen, eine extern, eine offline oder unveränderlich, null Fehler im Restore-Test.
- Aufbewahrungsfristen, Verschlüsselung mit getrennt verwahrten Schlüsseln und eigene Zugangsdaten für die Backup-Infrastruktur festlegen.
- Überwachung der Jobs und regelmäßige Wiederherstellungstests einplanen und dokumentieren.
Unveränderlichen Speicher bieten etwa gehärtete Linux-Repositories, Objektspeicher mit Object Lock oder Azure Blob Storage mit Immutability-Richtlinien.
Benefits
- Planbare Wiederherstellungszeiten, weil RPO und RTO je System vereinbart sind
- Schutz vor Ransomware durch getrennte oder unveränderliche Kopien
- Erfüllung von Aufbewahrungs- und Nachweispflichten aus GoBD, DSGVO, NIS2 und ISO 27001
- Weniger Improvisation im Ernstfall, da Abläufe und Zuständigkeiten dokumentiert sind
Practical example
Ein Maschinenbauer mit 250 Mitarbeitenden sichert nachts auf ein NAS im selben Serverraum, das mit Domänenkonten erreichbar ist. Nach einem Ransomware-Beinahe-Vorfall legt er für ERP und Dateiserver ein RPO von vier Stunden und ein RTO von acht Stunden fest. Er ergänzt eine unveränderliche Cloud-Kopie, trennt den Backup-Server aus der Domäne und testet quartalsweise die Wiederherstellung eines kompletten Servers. Die Ergebnisse stehen im Betriebshandbuch.
Things to keep in mind
- Backup-Server und Repositories nicht in die produktive Domäne hängen, sonst erreicht Ransomware die Sicherungen
- Wiederherstellung regelmäßig testen, denn nur ein erfolgreicher Restore beweist ein brauchbares Backup
- Daten in Microsoft 365 separat sichern, da Aufbewahrungsrichtlinien kein Backup ersetzen
- Verschlüsselungsschlüssel und Zugangsdaten getrennt vom Backup-System aufbewahren
- Aufbewahrungsdauer mit Löschpflichten der DSGVO abgleichen und begründen
Conclusion
Eine Backup-Strategie ist erst dann gut, wenn sie getestet wurde. Lege RPO und RTO mit den Fachbereichen fest, sichere mindestens eine Kopie unveränderlich und plane Restore-Tests fest im Kalender ein.
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