IT-Betriebshandbuch

Overview

Ein IT-Betriebshandbuch fasst alle Informationen zusammen, die für den laufenden Betrieb der IT nötig sind: Systemübersicht, Netzpläne, Abhängigkeiten, Zuständigkeiten, Routineaufgaben, Wartungsfenster, Backup- und Wiederherstellungsverfahren, Eskalationswege und Ansprechpartner bei Dienstleistern. Ziel ist, dass eine qualifizierte Vertretung den Betrieb übernehmen kann, ohne den ursprünglichen Autor zu fragen.

Einzelne Arbeitsanweisungen für wiederkehrende Abläufe (Starten, Stoppen, Prüfen, Fehlerbehebung) heißen im englischen Sprachraum Runbooks und können teilweise automatisiert werden. Das Betriebshandbuch ist der Rahmen, in dem sie stehen.

Abgrenzung: Das Notfallhandbuch beschreibt Wiederanlauf und Krisenorganisation nach BCM-Vorgaben. Standard Operating Procedures sind einzelne verbindliche Arbeitsanweisungen. Die CMDB liefert strukturierte Daten zu Systemen, das Betriebshandbuch beschreibt, wie mit ihnen gearbeitet wird. Für NIS2- und ISO-27001-Prüfungen gilt dokumentierter Betrieb als wichtiger Nachweis.

How it works

Ein praxistauglicher Aufbau:

  1. Überblick: Standorte, Services, Systemlandschaft, Netzplan, Abhängigkeiten.
  2. Organisation: Rollen, Vertretungen, RACI, Dienstleister mit Vertragsdaten und Hotlines.
  3. Routinebetrieb: tägliche, wöchentliche und monatliche Aufgaben, Patch- und Wartungsfenster.
  4. Datensicherung: Sicherungsplan, Aufbewahrung, Restore-Anleitungen, Testprotokolle.
  5. Störungen und Eskalation: Ablauf, Kontaktkette, Verweis auf Notfallhandbuch.
  6. Zugänge: Verweis auf den Passwort-Tresor, nie Kennwörter im Klartext.

Abgelegt wird es in SharePoint, Confluence, einem Wiki oder Dokumentationstools wie i-doit. Eine Offline-Kopie der Notfallteile gehört an einen Ort, der auch bei IT-Ausfall erreichbar ist.

Benefits

  • Vertretungsfähigkeit: Urlaub, Krankheit oder Kündigung eines Admins gefährden den Betrieb nicht mehr.
  • Schnelleres Onboarding neuer Kollegen und Dienstleister.
  • Weniger Fehler bei seltenen Aufgaben, weil die Schritte dokumentiert sind statt aus dem Gedächtnis abgerufen.
  • Prüfnachweise für Auditoren, Versicherer und NIS2-Umsetzung.

Practical example

In einem metallverarbeitenden Betrieb mit 180 Mitarbeitenden betreut ein einzelner Administrator die gesamte IT. Für eine längere Abwesenheit soll ein Systemhaus übernehmen. Gemeinsam erstellen sie ein Betriebshandbuch in SharePoint mit Systemübersicht, Wochenroutinen, Restore-Anleitungen und Kontaktkette. Während der Vertretung löst das Systemhaus einen Ausfall des Hypervisor-Hosts anhand der Anleitung, ohne den Administrator zu erreichen.

Things to keep in mind

  • Speichere niemals Kennwörter im Handbuch, sondern verweise auf einen Passwort-Tresor mit Notfallzugang.
  • Halte eine Offline-Kopie der Notfall- und Wiederanlaufkapitel bereit, falls SharePoint oder das Wiki selbst ausfällt.
  • Verknüpfe die Pflege mit dem Change-Prozess: Kein Change ist abgeschlossen, bevor die Doku aktualisiert ist.
  • Teste das Handbuch, indem eine andere Person eine Routineaufgabe nur anhand der Doku durchführt.

Conclusion

Das IT-Betriebshandbuch ist die Versicherung gegen Kopfmonopole in kleinen IT-Teams. Es lohnt sich vor allem dann, wenn es mit Changes gepflegt und regelmäßig von Dritten getestet wird.