Viele Admins schieben dieses Thema gerne auf die lange Bank. Doch wenn dein Unternehmen Microsoft Teams als vollwertige Telefonanlage (Teams Phone) nutzt, bist du gesetzlich und moralisch verpflichtet, sicherzustellen, dass Notrufe (110/112) funktionieren. Und nicht nur das: Der Rettungswagen muss auch wissen, wohin er fahren soll.

Im neuen Admin Center ist dieser Bereich in zwei wesentliche Unterpunkte gegliedert:
- Notruf (Emergency Calling Policies)
- Weiterleitung bei Notrufen (Emergency Call Routing Policies)
1. Notruf (Was passiert, wenn gewählt wird?)
Unter dem Menüpunkt „Einstellungen für Notrufe“ definierst du das Verhalten des Teams-Clients, wenn ein Mitarbeiter in Panik die Notrufnummer wählt.
Die Notrufnummern definieren
Auch wenn „112“ für uns logisch ist – Teams muss wissen, dass dies eine spezielle Nummer ist.
- Notrufnummer-Zeichenfolge: Hier hinterlegst du die Nummern (z. B.
112,110,911,999), die als Notruf behandelt werden sollen. - Wichtig: Das System muss wissen, dass bei Eingabe dieser Ziffern keine normalen Wählregeln gelten, sondern der Notfall-Modus greift.
Benachrichtigungsgruppen (Der Sicherheitsdienst muss es wissen!)
Stell dir vor: Ein Mitarbeiter im 3. Stock erleidet einen Herzinfarkt und wählt über Teams die 112. Der Krankenwagen kommt – steht aber vor verschlossener Tür, weil am Empfang niemand Bescheid weiß.
- Die Lösung: Hier konfigurierst du Benachrichtigungsgruppen.
- Funktion: Sobald ein Notruf abgesetzt wird, kann Teams automatisch den Sicherheitsdienst, den Empfang oder Ersthelfer per Chat oder Anruf informieren. So kann jemand den Rettungskräften die Tür öffnen und sie einweisen.
Haftungsausschluss & Standort
- Haftungsausschluss für Notfalldienste: Besonders im Homeoffice ist die Ortung schwierig. Teams kann hier einen Banner einblenden, der den Nutzer daran erinnert, dass er seinen aktuellen Standort (Adresse) manuell pflegen muss, damit die Leitstelle ihn findet.
- Modus zum Nachschlagen externer Standorte: Hierbei geht es oft um technische Schnittstellen zu externen Datenbanken, um den Standort bei nomadischen Nutzern besser zu bestimmen.

2. Weiterleitung bei Notrufen (Wohin geht der Anruf?)
Während der erste Punkt das Verhalten (Benachrichtigung) regelt, steuert die „Weiterleitung bei Notrufen“, welchen technischen Weg der Anruf zur Rettungsleitstelle nimmt.
Dynamische Notruffunktion
Das ist die Königsdisziplin in modernen Netzwerken.
- Das Problem: Ein Mitarbeiter sitzt heute in Berlin, morgen in München – nutzt aber denselben Laptop und denselben Teams-Account. Wählt er die 112, darf er nicht in der Berliner Leitstelle landen, wenn er gerade in München ist.
- Die Lösung: Wenn du die Dynamische Notruffunktion aktivierst und deine Netzwerktopologie (IP-Subnetze, WLAN-Access-Points, Switches) sauber in Teams hinterlegt hast, erkennt der Client: „Ich bin im Subnetz
192.168.10.x, das gehört zum Standort München“. - Das Ergebnis: Der Anruf wird mit der korrekten Standort-Adresse an die örtlich zuständige Leitstelle (PSAP) geroutet.
Notrufnummern & Routing
Hier verknüpfst du die oben definierten Nummern mit konkreten Routen.
- Du legst fest: Wenn jemand
112wählt, nutze den PSTN-Gateway X oder den Calling Plan Y, um den Anruf mit höchster Priorität abzusetzen.

Fazit: Testen ist Pflicht!
Der Bereich „Notfall“ ist keine „Set-and-Forget“-Einstellung.
- Pflege deine Netzwerk-Daten: Damit die dynamische Ortung funktioniert, müssen die IP-Bereiche deiner Standorte im Admin Center aktuell sein.
- Informiere den Empfang: Stelle sicher, dass die Benachrichtigungsgruppen korrekt besetzt sind.
- Test-Anruf (Mit Vorsicht): Du kannst Notrufe testen, musst dies aber zwingend vorher mit der örtlichen Polizeidienststelle absprechen (z. B. über die Amtsleitung), um keinen Fehlalarm auszulösen!
Nimm dir Zeit für diesen Bereich. Im Ernstfall rettet eine korrekte Konfiguration hier Leben.


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