ArtikelRahmen V5 Serverraum

– Zutritt, USV, Klimatisierung und Brandschutz

Serverräume sind das pulsierende Herzstück jeder modernen IT-Infrastruktur. Hier laufen die geschäftskritischen Systeme, die 24/7 verfügbar sein müssen.

Wenn etwas schiefläuft – sei es ein Stromausfall, ein Brand oder eine Fehlbedienung durch unbefugte Personen – kann das verheerende Folgen für das Unternehmen haben. Deshalb ist es entscheidend, dass die physische Sicherheit, die Stromversorgung und die Umgebungsbedingungen sorgfältig geplant und regelmäßig überprüft werden.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Zutrittsschutz, USV-Anlagen, Klimatisierung und Brandschutz in deinem Serverraum effizient und nachhaltig umsetzt.


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Zutrittsschutz: Wer darf überhaupt rein?

Der allererste Schritt, um deine IT-Systeme zu schützen, ist ein strikter und gut dokumentierter Zugangskontrollprozess. Ein Serverraum ist kein Abstellraum für Büroklammern. Dort stehen Geräte, die für das tägliche Geschäft essenziell sind – also darf nicht jeder nach Belieben hineinspazieren.

Elektronische Zugangssysteme

Mit elektronischen Zutrittssystemen (Schlüsselkarten oder PIN-Codes) kannst du genau festlegen, wer wann den Serverraum betreten darf.

  • Automatische Protokollierung: Du kannst später exakt nachvollziehen, wer sich zu welcher Zeit im Raum aufgehalten hat.
  • Flexible Berechtigungen: Erlaube Nachtschichten nur bestimmten Personen oder richte temporäre Zugänge für externe Dienstleister ein.

Biometrische Systeme

Noch einen Schritt sicherer sind biometrische Zugangssysteme wie Fingerabdruckscanner, Iris- oder Gesichtserkennung. Sie machen das klassische Problem „Schlüssel verloren, Code weitergegeben“ quasi obsolet.

Wichtiger Hinweis zur DSGVO: Gerade in Deutschland solltest du prüfen, wie du biometrische Daten verarbeitest. Oft ist es ratsam, die Daten lokal und verschlüsselt direkt auf dem Scanner (und nicht zentral in einer Datenbank) zu speichern, um Missbrauch vorzubeugen.


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24/7-Überwachung und Alarmierung

  • Kameras: Sollten hochauflösend sein, um Personen zweifelsfrei zu identifizieren. Bewahre Aufnahmen für einen definierten Zeitraum (z. B. 30 Tage) auf.
  • Alarmanlagen: Melden unbefugtes Eindringen sofort und dienen der Abschreckung.

Regelmäßige Audits und Schulungen

Technik ist nur so gut wie der Mensch, der sie bedient.

  • Jährliches Audit: Prüfe alle Zutrittsberechtigungen. Hat jemand das Unternehmen verlassen oder die Abteilung gewechselt? Entziehe unnötige Rechte sofort.
  • Schulungen: Jeder Zugangsberechtigte muss wissen, wie er sich im Notfall verhält und worauf im täglichen Betrieb zu achten ist.

Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)

Stell dir vor: Mitten am Tag bricht der Strom zusammen. Ohne USV gehen sofort alle Lichter aus, Datenbanken fahren unsauber herunter („Crash“) und Dateisysteme werden beschädigt. Eine USV-Anlage ist daher Pflicht.


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USV-Typen und ihre Einsatzbereiche

USV-TypFunktionsweise & Einsatz
Offline / StandbyGünstig, für kleinere Umgebungen. Hat eine minimale Umschaltzeit, daher für hochkritische Server oft nicht ausreichend.
Line-InteractiveDie „Mittelklasse“. Kombiniert Offline- und Online-Prinzipien, ist energieeffizient und ideal für KMUs mit moderatem Budget.
Online (Dauerwandler)Die Profi-Lösung. Wandelt Strom permanent (AC -> DC -> AC). Keine Umschaltzeit, filtert Spannungsschwankungen komplett. Ideal für geschäftskritische Hardware.

Kapazitätsplanung und Wartung

Eine USV muss groß genug dimensioniert sein, um alle kritischen Systeme so lange zu stützen, bis entweder ein Notstromdiesel anspringt oder die Systeme sauber heruntergefahren sind („Graceful Shutdown“).

  • Batteriewartung: USV-Akkus halten nicht ewig. Tausche sie alle 3 bis 5 Jahre aus.
  • Überspannungsschutz: Ergänze die USV mit Schutzmodulen gegen Spannungsspitzen (Surge Protection), um Hardware-Defekte zu vermeiden.

Klimatisierung: Kühle Köpfe für heiße Technik

Server erzeugen massiv Abwärme. Ohne Kühlung droht Überhitzung, was die Lebensdauer der Hardware drastisch senkt oder zum Sofort-Ausfall führt.

Optimale Werte

  • Temperatur: Ideal sind 20 bis 24°C. Spitzen über 27°C erhöhen das Ausfallrisiko signifikant.
  • Luftfeuchtigkeit: Ein Zielwert von 40 bis 60 % rF ist optimal. Zu trocken fördert elektrostatische Entladungen, zu feucht führt zu Kondensatbildung/Korrosion.

Warm- und Kaltgangeinhausung

Ein effektives Konzept zur Energieeffizienz ist die strikte Trennung der Luftströme.

  1. Kaltgang: Hier strömt kühle Frischluft ein, die Server saugen diese an der Front an.
  2. Warmgang: Die Server blasen die heiße Luft hinten aus, wo sie direkt abgesaugt wird. Dies verhindert die Vermischung der Luft und senkt die Energiekosten der Klimaanlage massiv.

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Redundanz (N+1) und Monitoring

Verlasse dich nie auf nur ein Klimagerät. Eine N+1-Redundanz bedeutet, dass immer ein Gerät mehr vorhanden ist, als für die Spitzenlast benötigt wird. Fällt eines aus, übernimmt das Backup. Implementiere zudem Sensoren, die bei Grenzwertüberschreitung sofort Alarm (E-Mail/SMS) schlagen.

Brandschutz: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Ein Brand ist das Worst-Case-Szenario. Wasser als Löschmittel ist im Serverraum jedoch fast genauso zerstörerisch wie das Feuer selbst.

Früherkennung

Nutze Rauchmelder, die speziell für Serverräume (z. B. Rauchansaugsysteme / RAS) konzipiert sind.

  • Voralarm: Bei geringster Partikelkonzentration (Zeit zur Prüfung).
  • Hauptalarm: Bei echter Brandgefahr (Auslösung der Löschkette).

Gaslöschanlagen

Statt Wasser setzen Profis auf Inertgase (Argon, Stickstoff, CO2). Diese verdrängen den Sauerstoff so weit, dass das Feuer erstickt, ohne die Elektronik zu beschädigen.

  • Voraussetzung: Der Raum muss baulich „gasdicht“ sein, damit das Löschgas nicht entweicht.
  • Baulicher Brandschutz: Achte auf F90-Wände und Türen, um ein Ausbreiten des Feuers von oder in den Serverraum zu verhindern.

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Erweiterte Aspekte: Richtlinien und Zertifizierungen

Um professionelle Sicherheit nachzuweisen, lohnt ein Blick auf etablierte Standards:

  • ISO/IEC 27001: Der Goldstandard für Informationssicherheits-Managementsysteme (ISMS), inklusive physischer Sicherheit.
  • TIA-942: Klassifiziert Rechenzentren in TIER-Stufen (I bis IV) bezüglich Redundanz und Verfügbarkeit.
  • BSI IT-Grundschutz: Das „Kompendium“ des BSI liefert sehr konkrete Bausteine für den Infrastruktur-Schutz.

Fazit: Ein ganzheitlicher Prozess

Physische Sicherheit ist keine einmalige Anschaffung, sondern ein Kreislauf.

  1. Zutritt: Nur wer rein muss, kommt rein.
  2. Strom: USV glättet Spannung und überbrückt Ausfälle.
  3. Klima: Kaltgang und Redundanz schonen die Hardware.
  4. Feuer: Früherkennung und Gaslöschung retten die Daten.

Prüfe deine Systeme regelmäßig: Sind die Berechtigungen aktuell? Funktionieren die Sensoren? Wie alt sind die USV-Batterien? Je besser du vorbereitet bist, desto ruhiger kannst du schlafen – und desto stabiler läuft dein Business.

externe Quellen

Bundesamt für Sicherheit in der InformationstechnikEmpfehlungen, Standards und Grundschutz-Kataloge rund um IT-Sicherheit.
ISO/IEC 27001 (ISO.org)Infos zu den Anforderungen eines Informationssicherheits-Managementsystems.
TIA-942 RechenzentrumsstandardTIA-942-Norm, u. a. zu TIER-Klassifizierung für Rechenzentren.
APC by Schneider ElectricHersteller-Informationen und Planungswerkzeuge zu USV-Systemen und Stromschutz.
TecChannel – Serverraum-KlimatisierungPraxisnahe Tipps zur richtigen Kühlung von Serverräumen.
Brandschutz im RechenzentrumFachportal mit Artikeln und Lösungsansätzen für vorbeugenden Brandschutz.

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