Proxmox VE (Proxmox Virtual Environment)

Overview

Proxmox VE (Proxmox Virtual Environment) ist eine Plattform für Server-Virtualisierung der Proxmox Server Solutions GmbH mit Sitz in Wien. Sie kombiniert den KVM-Hypervisor für virtuelle Maschinen mit LXC für Linux-Systemcontainer und wird über eine Weboberfläche, die Kommandozeile oder eine REST-API verwaltet. Die Software steht unter der GNU AGPLv3 und ist kostenlos, das Geschäftsmodell sind Support-Subscriptions. Die erste öffentliche Version erschien im April 2008.

Aktuell ist Proxmox VE 9.2 vom 21. Mai 2026 auf Basis von Debian 13.5 „Trixie“ mit Linux-Kernel 7.0, QEMU 11.0, LXC 7.0 und ZFS 2.4. Neue Cluster nutzen standardmäßig Ceph Tentacle 20.2. Neu sind ein dynamischer Load Balancer, der HA-Gäste bei ungleicher Last automatisch migriert, WireGuard- und BGP-Fabrics im SDN sowie Befehle, mit denen sich HA für Wartungsarbeiten ohne ungewolltes Fencing deaktivieren lässt. Die 9er-Reihe startete am 5. August 2025, Proxmox VE 8.4 erhielt Sicherheitsupdates bis August 2026.

Seit den Lizenzänderungen bei VMware by Broadcom evaluieren viele mittelständische Unternehmen Proxmox VE als Alternative. Ein integrierter Import-Assistent übernimmt VMs direkt von ESXi-Hosts (laut Proxmox getestet mit ESXi 6.5 bis 8.0). Abgrenzung: Server-Virtualisierung beschreibt das Prinzip, Hyper-V und VMware vSphere sind die Konkurrenzplattformen (jeweils eigene Einträge). Proxmox Backup Server ist ein separates Produkt für inkrementelle Sicherungen, Proxmox Datacenter Manager bündelt die Verwaltung mehrerer Cluster.

How it works

Proxmox VE wird per ISO direkt auf die Hardware installiert oder auf ein bestehendes Debian gesetzt. Die Bausteine:

  1. Virtualisierung: KVM/QEMU für vollständige VMs mit Windows oder Linux, LXC für schlanke Linux-Container. Seit Version 9.1 lassen sich Container auch aus OCI-Images erstellen.
  2. Cluster: Corosync repliziert die Konfiguration auf alle Knoten, jeder Knoten kann den gesamten Cluster verwalten (Multi-Master). Der HA Manager startet ausgefallene Gäste auf anderen Knoten neu und nutzt dafür Watchdog-basiertes Fencing. Live-Migration verschiebt laufende VMs zwischen Knoten.
  3. Storage: lokal ZFS oder LVM, gemeinsam genutzt über Ceph (RBD, CephFS), iSCSI, NFS oder SMB/CIFS. Seit Version 9.0 funktionieren Snapshots über Volume-Ketten auch auf Block-Storage wie iSCSI- und Fibre-Channel-SANs.
  4. Netzwerk: Linux-Bridges mit VLAN-Unterstützung, dazu SDN mit VLAN, QinQ, VXLAN und BGP-EVPN sowie eine integrierte, verteilte Firewall für IPv4 und IPv6.
  5. Betrieb: Backups per vzdump oder inkrementell mit Proxmox Backup Server, Anmeldung über Linux PAM, den Proxmox-eigenen Authentifizierungsserver, LDAP, Active Directory oder OpenID Connect mit rollenbasierten Rechten. Updates kommen per APT aus dem Enterprise-, No-Subscription- oder Test-Repository.

Benefits

  • Keine Lizenzgebühr für die Software, da Proxmox VE unter AGPLv3 steht. Bezahlt wird nur der optionale Support, und zwar pro CPU-Sockel statt pro Kern
  • VMs, Container, Cluster, HA, Ceph und Backup-Anbindung stecken in einem Produkt, ein separater Management-Server wie vCenter entfällt
  • Der ESXi-Import-Assistent senkt den Aufwand beim Umstieg von VMware, weil VMs direkt vom ESXi-Host übernommen werden
  • Die offene Basis aus Debian, KVM und QEMU mit dokumentierter REST-API erleichtert Automatisierung und vermeidet Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller

Practical example

Ein Elektrogroßhändler mit 150 Mitarbeitenden betreibt drei ESXi-Hosts, deren Wartungsvertrag ausläuft. Die IT baut einen Proxmox-VE-Cluster aus drei Knoten mit Ceph auf, übernimmt die VMs an mehreren Wochenenden per ESXi-Import-Assistent und installiert in den Windows-VMs VirtIO-Treiber und den QEMU Guest Agent. Die Sicherung übernimmt ein Proxmox Backup Server auf separater Hardware. Eine Standard-Subscription für jeden CPU-Sockel sichert den Zugang zum Enterprise-Repository und zum Herstellersupport.

Things to keep in mind

  • Produktivsysteme aus dem Enterprise-Repository aktualisieren, denn das No-Subscription-Repository ist laut Proxmox für Tests und Nicht-Produktivbetrieb gedacht
  • Für HA mindestens drei Knoten wegen des Quorums einplanen und das Corosync-Netz auf eigene, latenzarme Verbindungen legen
  • Ceph-Cluster auf Tentacle aufbauen, da Proxmox das Supportende für Ceph Squid auf September 2026 schätzt
  • Windows-VMs mit VirtIO-Treibern und QEMU Guest Agent betreiben, sonst leiden Leistung und konsistente Backups
  • Hauptversions-Upgrades (etwa von 8 auf 9) nach dem offiziellen Upgrade-Guide und erst nach einem getesteten Restore durchführen

Licensing & availability

Proxmox VE ist Open Source (GNU AGPLv3) und ohne Lizenzgebühr nutzbar. Optional gibt es Subscriptions in den Stufen Community, Basic, Standard und Premium, alle mit Zugang zum Enterprise-Repository. Community enthält keinen Herstellersupport (nur Forum), Basic bietet 3 Support-Tickets pro Jahr mit Reaktion am nächsten Werktag, Standard 10 Tickets mit 4 Stunden Reaktionszeit und Remote-Support per SSH, Premium unbegrenzte Tickets mit 2 Stunden Reaktionszeit und seit 19. Oktober 2026 Support rund um die Uhr. Abgerechnet wird pro Jahr und belegtem physischem CPU-Sockel, alle Knoten eines Clusters brauchen dieselbe Stufe. Stand: Oktober 2026.

Conclusion

Proxmox VE ist eine ausgereifte Alternative zu VMware vSphere und Hyper-V, gerade für mittelständische Umgebungen mit Linux-Know-how. Plane für Produktivsysteme eine Subscription fest ein, denn erst das Enterprise-Repository macht aus dem Testlabor eine betriebsfähige Plattform.