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Der Juli 2025 bringt für IT-Administratoren massive Herausforderungen und grundlegende Änderungen im Microsoft 365-Ökosystem. Von kritischen Sicherheitslücken über wiederkehrende Exchange Online-Ausfälle bis zum endgültigen Ende des Classic Teams Clients. Hier erfährst du alles, was du wissen musst.

Massive Exchange Online-Störungen prägen den Juli

Der Juli 2025 wird als Monat der Exchange-Ausfälle in die Geschichte eingehen. Die Störungen erreichten ein Ausmaß, das selbst erfahrene IT-Administratoren überraschte.

Der große Ausfall vom 10./11. Juli

Am 10. Juli 2025 erlebte Exchange Online den schwersten Ausfall des Jahres – www.borncity.com:

  • Dauer: Über 11 Stunden (Start: 9. Juli, 22:20 UTC)
  • Incident ID: EX1112414
  • Betroffene Regionen: Global – USA, Europa, Australien, Teile Asiens
  • Symptome:
    • Kompletter Verlust des Mailbox-Zugriffs
    • Authentifizierungsfehler
    • Fehlermeldungen wie „Something went wrong“ und „invalid licenses“
    • Über 2.100 Meldungen auf DownDetector

Die Ursache lag in einer fehlerhaften Konfigurationsänderung, die zu Problemen mit der Mailbox-Infrastruktur und den Authentifizierungskomponenten führte. Millionen von Nutzern weltweit waren betroffen, was zu erheblichen Geschäftsunterbrechungen führte.

Weitere Juli-Störungen

Die Probleme setzten sich über den gesamten Monat fort:

  • 1. Juli: 2 Stunden 11 Minuten Störung
  • 2. Juli: 14 Stunden Warnung
  • 6.-7. Juli: Mehrstündige Ausfälle (bis zu 10h 53min)
  • 16. – ~21. Juli: Erneute massive Störung (EX1112414 und EX1116357)
    • E-Mail-Versand und -Empfang gestört
    • Zustellungsverzögerungen
    • Outlook hing bei „Trying to connect…“
  • 23. July: Fehler in den Exchange Online Richtlinien -> alle Mails bekamen im Betreff den Zusatz: [EXTERNAL]

Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb

Die wiederholten Ausfälle hatten erhebliche Konsequenzen:

  • Kritische Geschäftskommunikation war unterbrochen
  • Kundendokumente waren nicht zugänglich
  • Projektabläufe verzögerten sich
  • IT-Teams arbeiteten im Krisenmodus

Besonders problematisch: Die Störungen traten gehäuft auf, was eine verlässliche Planung unmöglich machte. Viele Organisationen berichteten von Produktivitätsverlusten im sechsstelligen Bereich.

Kritische Sicherheitslücken und aktive Bedrohungen

SharePoint On-Premises unter Beschuss

Die dringendste Bedrohung betrifft SharePoint On-Premises Server. Seit dem 7. Juli 2025 nutzen mehrere Bedrohungsakteure aktiv zwei kritische Schwachstellen aus:

  • CVE-2025-49706: Eine Spoofing-Schwachstelle
  • CVE-2025-49704: Eine Remote Code Execution-Schwachstelle

Microsoft hat bestätigt, dass chinesische staatliche Akteure (Linen Typhoon und Violet Typhoon) sowie die Gruppe Storm-2603 diese Lücken ausnutzen. Storm-2603 verteilt dabei die Warlock-Ransomware. Diese Angriffe betreffen ausschließlich On-Premises-Installationen – SharePoint Online ist nicht betroffen.

Wichtig: Nach der Installation der Sicherheitsupdates musst du zwingend IIS neu starten. Ohne diesen Schritt bleiben die Systeme verwundbar. Microsoft hat umfassende Sicherheitsupdates für alle unterstützten SharePoint-Versionen (Subscription Edition, 2019 und 2016) veröffentlicht.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen

Ab Juli 2025 erzwingt Microsoft die Multifaktor-Authentifizierung (MFA) für alle Benutzer, die auf das Microsoft 365 Admin Center zugreifen. Diese Maßnahme ist angesichts der zunehmenden Bedrohungslage unumgänglich. Stelle sicher, dass alle Administratoren entsprechend vorbereitet sind und Zugang zu geeigneten Authentifizierungs-Apps haben.

Das Ende von Classic Teams: Harte Deadline am 1. Juli

Microsoft macht Ernst: Der Classic Teams Client funktioniert seit dem 1. Juli 2025 nicht mehr. Dies betrifft:

  • Windows-Desktop-Versionen
  • macOS-Installationen
  • VDI-Umgebungen (Virtual Desktop Infrastructure)
  • Windows 10 LTSC-Systeme

Besonders problematisch ist die Situation für Organisationen mit älteren Systemen:

  • Windows 10-Versionen vor 19041 werden nicht unterstützt
  • macOS-Versionen älter als Big Sur (11) sind ausgeschlossen
  • Surface Hub v1 und Surface Hub 2S mit Windows 10 Team Edition verlieren die Teams-Unterstützung

Als einzige Alternative bleibt die Web-Version unter teams.microsoft.com. Prüfe dringend, ob alle Arbeitsplätze die Systemanforderungen für New Teams erfüllen oder ob eine Browser-basierte Lösung implementiert werden muss.

Fundamentale Änderungen der Update-Kanäle

Microsoft strukturiert seine Update-Kanäle grundlegend um. Diese Änderungen haben weitreichende Auswirkungen auf deine Update-Strategie:

Monthly Enterprise Channel

  • Neu: Rollback-Unterstützung wird von einem auf drei Monate erweitert
  • Dies bietet mehr Flexibilität bei problematischen Updates
  • Du kannst jetzt länger zu einer stabilen Version mit aktuellen Sicherheitsupdates zurückkehren

Semi-Annual Enterprise Channel

  • Support-Dauer wird drastisch von 14 auf 8 Monate reduziert
  • Microsoft empfiehlt diesen Kanal nur noch für unbeaufsichtigte Geräte
  • Interaktive Arbeitsplätze sollten auf Monthly Enterprise oder Current Channel migriert werden
  • Feature-Releases werden nur noch 6 Monate unterstützt (vorher 14 Monate)

Semi-Annual Enterprise Channel (Preview)

  • Wird ab Juli 2025 vollständig eingestellt
  • Betroffene Systeme müssen sofort auf Current Channel oder Monthly Enterprise Channel migriert werden

Preiserhöhungen für On-Premises-Produkte

Microsoft erhöht die Preise für On-Premises-Produkte deutlich:

  • Alle eigenständigen On-Premises-Server (SharePoint, Exchange, Skype for Business): +10%
  • Core CAL Suite: +15% (ab 1. August 2025)
  • Enterprise CAL Suite: +20% (ab 1. August 2025)

Diese Preisänderungen betreffen ausschließlich On-Premises-Versionen. Die Cloud-Varianten (SharePoint Online, Exchange Online, Microsoft Teams) bleiben preislich unverändert.

Zusätzlich wurde die Subscription Edition (SE) für Exchange Server und Skype for Business Server allgemein verfügbar. Diese erfordert aktive Software Assurance oder Cloud-Abonnement-Lizenzen für alle Benutzer.

Neue Features und Entwicklungen

Microsoft 365 Copilot wird erweitert

Die KI-Integration schreitet voran mit mehreren wichtigen Neuerungen:

  • Bildgenerierung: Ab Juli 2025 allgemein verfügbar in Microsoft 365 Apps
  • Voice-Chat für iOS: Ermöglicht Hands-free-Interaktion mit Echtzeitunterbrechung
  • Security Copilot Integration: Automatische Generierung von KQL-Queries und Incident-Analyse
  • Audit und eDiscovery: Neue Compliance-Funktionen in Microsoft Purview für Copilot-Aktionen

Teams-Verbesserungen

Der neue Teams Client bringt trotz anfänglicher Umstellungsprobleme mehrere Vorteile:

  • Vereinheitlichte Chat- und Kanal-Oberfläche
  • Verbesserte Performance (bis zu 50% schnellere Startzeiten)
  • Erweiterte Copilot-Integration für Meeting-Zusammenfassungen
  • Neue Filter- und Organisationsfunktionen für Nachrichten

Weitere wichtige Änderungen

  • Microsoft Lists Mobile Apps: Werden bis November 2025 eingestellt
  • Text Prediction in Outlook: Wird ab 1. Juli standardmäßig deaktiviert
  • Neue Dateitypen-Blockierung: .library-ms und .search-ms werden in Outlook blockiert

Der Juli 2025 markiert einen Wendepunkt in der Microsoft 365-Entwicklung. Die Kombination aus erzwungenen Migrationen, kritischen Sicherheitslücken und fundamentalen Strukturänderungen erfordert proaktives Handeln. Während die kurzfristigen Herausforderungen erheblich sind, bieten die neuen Features und Strukturen langfristig Vorteile für Sicherheit und Produktivität.

Prioritäre deine Maßnahmen nach Kritikalität: Sicherheitsupdates zuerst, dann Migrationen, gefolgt von strategischen Anpassungen. Mit einer strukturierten Herangehensweise lassen sich die Herausforderungen bewältigen und die Chancen der Modernisierung nutzen.

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