ExchangeServer
Akzeptierte Domänen (Accepted Domains)
Allgemeine Infos
Akzeptierte Domänen sind die SMTP-Namensräume, für die eine Exchange-Organisation E-Mails annimmt. Wer contoso.com registriert und den MX-Record auf seinen Mailserver zeigen lässt, muss contoso.com zusätzlich als akzeptierte Domäne anlegen, damit Exchange Mails an @contoso.com entgegennimmt. Eine akzeptierte Domäne kann eine einzelne Domäne (contoso.com) oder eine Domäne mit Subdomänen (*.contoso.com) sein und gilt für die ganze Organisation.
Exchange Server kennt drei Typen: Autoritativ (alle Empfänger existieren in Exchange, Exchange erzeugt Unzustellbarkeitsberichte für unbekannte Adressen), interne Relay-Domäne (ein Teil der Empfänger liegt in einem anderen Mailsystem oder einer anderen Gesamtstruktur) und externe Relay-Domäne (kein Empfänger existiert in Exchange, die Organisation nimmt Mails nur stellvertretend an). Für beide Relay-Typen braucht es einen Send Connector mit Smarthost, über den Exchange die Mails weiterreicht. Die erste akzeptierte Domäne ist der FQDN der Stammdomäne der Gesamtstruktur und damit die Standarddomäne, die etwa in der Absenderadresse postmaster@<Standarddomäne> steckt.
In Exchange Online fügst Du Domänen im Microsoft 365 Admin Center hinzu, danach erscheinen sie als akzeptierte Domänen mit den Typen Autoritativ oder interne Relay-Domäne. Autoritativ aktiviert Directory-Based Edge Blocking, das Mails an unbekannte Empfänger schon am Rand des Dienstes abweist. Laut Message-Center-Meldung MC1048624 erhalten neue akzeptierte Domänen seit Juli 2026 ihre MX-Ziele unter mx.microsoft statt unter mail.protection.outlook.com.
Abgrenzung: Der MX-Record lenkt Mails aus dem Internet zum Server, die akzeptierte Domäne entscheidet, ob Exchange sie annimmt. Exchange Connector beschreibt die Routen für Relay-Domänen, und der Hybrid Configuration Wizard setzt passende akzeptierte Domänen in beiden Umgebungen voraus.
Funktionsweise & Details
Akzeptierte Domänen sind eine globale Einstellung der Organisation und wirken an mehreren Stellen:
- Anlegen im Exchange Admin Center unter Mail flow > Accepted domains oder per New-AcceptedDomain -Name "Contoso" -DomainName contoso.com; ohne -DomainType entsteht eine autoritative Domäne.
- Der Typ (Authoritative, InternalRelay, ExternalRelay) steuert, ob Exchange für unbekannte Empfänger einen NDR erzeugt oder die Mail über einen Send Connector weiterreicht. Bei InternalRelay liegt der Connector auf einem internen Postfachserver, bei ExternalRelay auf einem Edge-Transport- oder internetseitigen Postfachserver.
- E-Mail-Adressrichtlinien können nur autoritative und interne Relay-Domänen verwenden, externe Relay-Domänen nicht.
- Mit Set-AcceptedDomain -MakeDefault $true legst Du eine andere Standarddomäne fest; die Standard-E-Mail-Adressrichtlinie passt sich dabei nicht automatisch an.
- Bei einem abonnierten Edge-Transport-Server pflegst Du die Domänen auf dem Postfachserver, EdgeSync repliziert sie. Die Empfängersuche (AddressBookEnabled) ist für autoritative Domänen aktiv und für Relay-Domänen standardmäßig aus; ändern lässt sie sich nur in der Exchange Management Shell.
Kontrolle: Get-AcceptedDomain | Format-Table -Auto Name,DomainName,DomainType,Default,AddressBookEnabled.
Vorteile & Nutzen
- Autoritative Domänen beantworten unbekannte Adressen sofort mit einem NDR, deshalb erfahren Absender von Tippfehlern, statt dass Mails unbemerkt verschwinden.
- Interne Relay-Domänen erlauben einen gemeinsamen Adressraum mit einem Fremdsystem oder einer zweiten Gesamtstruktur, etwa während einer Migration oder nach einer Firmenübernahme.
- Einträge wie *.contoso.com decken alle Subdomänen mit einer Zeile ab und sparen Pflegeaufwand.
- In Exchange Online weist Directory-Based Edge Blocking bei autoritativen Domänen Mails an unbekannte Empfänger schon am Rand ab und entlastet so Filter und Postfächer.
Praxisbeispiel
Ein Werkzeughersteller mit 250 Postfächern übernimmt einen Zulieferer, der vorerst sein eigenes Mailsystem behält, dessen Mitarbeitende aber Adressen unter der Hauptdomäne erhalten sollen. Die IT stellt die Hauptdomäne in Exchange SE auf InternalRelay um, legt die Zulieferer-Mitarbeitenden als E-Mail-Kontakte an und richtet einen Send Connector mit dem Mailserver des Zulieferers als Smarthost ein. Mails an Exchange-Empfänger landen direkt im Postfach, alle anderen reicht Exchange an das Fremdsystem weiter. Nach der Migration der Zulieferer-Postfächer stellt die IT die Domäne zurück auf Authoritative, damit falsche Adressen wieder einen NDR erhalten.
Worauf sollte man achten?
- InternalRelay nur so lange wie nötig nutzen: Solange die Domäne nicht autoritativ ist, erzeugt Exchange für unbekannte Adressen keine NDRs, und Mails an Tippfehler-Adressen gehen an das Fremdsystem.
- Für jede Relay-Domäne einen Send Connector mit Smarthost anlegen, sonst fehlt Exchange die Route für Empfänger außerhalb der eigenen Organisation.
- Der Domänenwert lässt sich nach dem Anlegen nicht ändern (etwa von contoso.com zu *.contoso.com); lege in dem Fall eine neue akzeptierte Domäne an.
- Eine Domäne, die noch in einer E-Mail-Adressrichtlinie steht, auch in deaktivierten Vorlagen, lässt sich nicht entfernen; vorab mit Get-EmailAddressPolicy | Format-List Name,*EmailAddressTemplate* kontrollieren.
- In Exchange Online den Typ Autoritativ nur setzen, wenn alle Empfänger der Domäne im Tenant existieren, sonst weist Directory-Based Edge Blocking Mails an lokale Empfänger ab.
Lizenz & Verfügbarkeit
Akzeptierte Domänen sind Bestandteil von Exchange Server SE, Exchange 2016 und 2019 sowie von Exchange Online und benötigen keine eigene Lizenz. Stand: Oktober 2026.
Fazit
Akzeptierte Domänen legen fest, für welche Adressen Exchange zuständig ist. Halte die Liste schlank, setze Relay-Typen nur gezielt ein und dokumentiere die zugehörigen Send Connectoren.
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