Azure API Management

Allgemeine Infos

Azure API Management (APIM) sitzt zwischen Clients und Backends und stellt APIs aus App Service, Functions, AKS, Logic Apps oder On-Premises-Systemen über einen einheitlichen Endpunkt bereit. Authentifizierung, Ratenbegrenzung, Transformation und Logging regelst Du zentral per Richtlinie statt in jedem Backend einzeln.

APIM gibt es in den klassischen Tarifen Developer, Basic, Standard, Premium und Consumption sowie in den v2-Tarifen Basic v2, Standard v2 und Premium v2, die alle allgemein verfügbar sind. Die v2-Tarife stehen nur für neue Instanzen zur Verfügung, eine automatische Migration aus klassischen Tarifen bietet Microsoft nicht an.

Abgrenzung: Azure Front Door und Application Gateway verteilen und schützen HTTP-Verkehr auf Netzwerkebene, APIM arbeitet auf API-Ebene mit Produkten, Abonnements, Schlüsseln und Versionen. Zunehmend dient APIM auch als AI Gateway vor KI-Modellen in Microsoft Foundry.

Funktionsweise & Details

APIM besteht aus drei Komponenten:

  1. API-Gateway (Datenebene): nimmt Anfragen an, prüft API-Schlüssel, JWTs oder Zertifikate, setzt Quoten und Ratenlimits durch, cached Antworten und leitet an das Backend weiter.
  2. Verwaltungsebene: Hier importierst Du API-Definitionen (z. B. OpenAPI), bündelst APIs zu Produkten, setzt Richtlinien und verwaltest Benutzer, per Portal, CLI, PowerShell, REST oder Bicep.
  3. Entwicklerportal: generierte, anpassbare Website mit Doku, Testkonsole und Self-Service für API-Schlüssel.

Richtlinien sind XML-Anweisungen, die auf globaler, Workspace-, Produkt-, API- oder Operationsebene greifen. Workspaces erlauben dezentralen Teams eigene APIs unter zentraler Aufsicht. Netzwerk: Standard v2 und Premium v2 unterstützen VNet-Integration für private Backends, vollständige VNet-Injection gibt es nur in Premium und Premium v2. Ein Self-hosted Gateway als Container bringt das Gateway in eigene Rechenzentren oder andere Clouds, allerdings nicht in den v2-Tarifen.

Vorteile & Nutzen

  • Zentrale Kontrolle: Sicherheit, Drosselung und Logging regelst Du einmal im Gateway statt in jedem Backend.
  • Entkopplung: Clients sprechen eine stabile Fassade an, Backends kannst Du austauschen oder versionieren, ohne Clients zu brechen.
  • Self-Service für Partner: Das Entwicklerportal reduziert Supportaufwand bei Schlüsselvergabe und Doku.
  • Transparenz: Metriken und Logs über Azure Monitor und Application Insights zeigen Nutzung und Fehler pro API und Kunde.
  • Hybrid-Fähigkeit: Mit dem Self-hosted Gateway steuerst Du auch On-Premises-APIs aus einer Instanz.

Praxisbeispiel

Ein Großhändler für Industriebedarf mit 500 Mitarbeitenden will Kunden Lagerbestände und Lieferstatus aus dem ERP per API bereitstellen. Die IT veröffentlicht die bisher nur intern erreichbaren REST-Dienste über APIM Standard v2 mit VNet-Integration zum Backend. Jeder Kunde erhält über das Entwicklerportal ein Abonnement mit eigenem Schlüssel und Ratenlimit, Anfragen werden in Log Analytics protokolliert. Das ERP bleibt aus dem Internet unerreichbar, und neue Kunden binden sich ohne Ticket an die IT an.

Worauf sollte man achten?

  • Wähle den Tarif nach Netzwerkbedarf: Nur Premium und Premium v2 laufen vollständig im VNet, Basic v2 hat keine VNet-Funktionen.
  • Prüfe vor einer v2-Entscheidung die Funktionslücken, etwa fehlende Multi-Region-Bereitstellung, Backup und Restore sowie Self-hosted Gateway.
  • Bereitstellung und Skalierung klassischer Tarife dauern teils lange, plane Änderungen nicht kurz vor Go-Lives.
  • Teste Richtlinien in einer Entwicklungsinstanz und versioniere sie mit APIOps oder Bicep, damit Änderungen nachvollziehbar bleiben.
  • Sichere Backends zusätzlich ab (Managed Identity, mTLS oder IP-Filter), damit niemand das Gateway umgeht.

Lizenz & Verfügbarkeit

Kein Lizenzprodukt, Abrechnung je Tarif: Consumption nach Aufrufen, die übrigen Tarife nach Einheiten pro Stunde. Klassisch: Developer (ohne SLA, nur für Tests), Basic, Standard, Premium und Consumption. v2: Basic v2, Standard v2 und Premium v2, alle allgemein verfügbar mit SLA. Stand: Oktober 2026.

Fazit

APIM ist das Standardwerkzeug, um Schnittstellen in Azure kontrolliert zu veröffentlichen. Entscheide den Tarif zuerst nach Netzwerk- und Ausfallsicherheitsanforderungen.