Azure App Configuration

Allgemeine Infos

Azure App Configuration speichert Schlüssel-Wert-Paare und Feature Flags an einer Stelle, statt sie in appsettings-Dateien, Umgebungsvariablen oder Pipelines zu verstreuen. Anwendungen lesen die Werte beim Start oder zur Laufzeit über Provider-Bibliotheken für .NET, Java Spring, Python, JavaScript und Go und übernehmen Änderungen ohne neues Deployment.

Secrets gehören weiterhin in Azure Key Vault: App Configuration speichert dafür Key-Vault-Referenzen, die Anwendung löst sie mit eigener Identität auf. So lesen Apps alle Einstellungen aus einer Quelle, ohne dass vertrauliche Werte in App Configuration liegen.

Den Dienst gibt es in vier Tarifen: Free, Developer, Standard und Premium. Feature Flags und Key-Vault-Referenzen sind in allen Tarifen enthalten, Geo-Replikation, kundenseitig verwaltete Schlüssel und Soft Delete nur in Standard und Premium, Private Link ab Developer.

Funktionsweise & Details

Ein App-Configuration-Store enthält Schlüssel-Werte, optional mit Labels und Content-Type.

  1. Du legst Einstellungen an, etwa Shop:Settings:Timeout, und unterscheidest Umgebungen per Label (z. B. dev, prod).
  2. Die Anwendung verbindet sich per Managed Identity und Azure RBAC (Rolle App Configuration Data Reader) mit dem Store.
  3. Der Provider lädt die Werte, cached sie und prüft in einem festgelegten Intervall auf Änderungen, häufig über einen einzelnen Signalschlüssel (Sentinel Key).
  4. Feature Flags schaltet die Feature-Management-Bibliothek nach Filtern wie Prozentsatz, Zeitfenster oder Zielgruppe.
  5. Änderungen können per Event Grid weitere Prozesse auslösen. Snapshots und eine Revisionshistorie (7 bzw. 30 Tage je nach Tarif) machen frühere Stände nachvollziehbar.

Vorteile & Nutzen

  • Trennung von Code und Konfiguration: Einstellungen ändern sich ohne neues Release, das verkürzt Reaktionszeiten.
  • Feature Flags: Neue Funktionen lassen sich schrittweise für Nutzergruppen freischalten und bei Problemen sofort abschalten.
  • Einheitliche Quelle: Mehrere Apps und Microservices teilen sich Einstellungen, Abweichungen zwischen Umgebungen fallen weg.
  • Sicherheit: Key-Vault-Referenzen und Zugriff per Entra ID ersetzen Connection Strings in Konfigurationsdateien.
  • Nachvollziehbarkeit: Revisionshistorie und Snapshots zeigen, welcher Wert wann galt.

Praxisbeispiel

Ein Online-Shop eines mittelständischen Werkzeughändlers besteht aus fünf Microservices auf App Service. Bisher lagen Timeouts, Endpunkte und Schalter in eigenen Konfigurationsdateien je Dienst, was bei jedem Umgebungswechsel zu Fehlern führte. Die IT zieht alle Einstellungen in einen App-Configuration-Store mit Labels für Test und Produktion, Datenbankpasswörter bleiben als Key-Vault-Referenzen. Ein neuer Checkout-Prozess wird per Feature Flag zunächst für 10 Prozent der Kunden aktiviert und nach einer Woche ohne Fehler für alle.

Worauf sollte man achten?

  • Lege keine Passwörter oder Schlüssel direkt in App Configuration ab, sondern nutze Key-Vault-Referenzen.
  • Der Free-Tarif erlaubt 1.000 Anfragen pro Tag und antwortet danach bis Mitternacht UTC mit HTTP 429, für Produktion ist er ungeeignet.
  • Setze Refresh-Intervalle und Caching bewusst, sonst verbrauchen viele Instanzen schnell das Anfragekontingent.
  • Arbeite mit Entra ID und RBAC statt mit Zugriffsschlüsseln und deaktiviere die Schlüssel-Authentifizierung, wo möglich.
  • Ein Downgrade auf Free oder Developer ist nicht möglich, dafür legst Du einen neuen Store an und importierst die Daten.

Lizenz & Verfügbarkeit

Vier Tarife: Free (Evaluierung, 1.000 Anfragen pro Tag, kein SLA), Developer (Nicht-Produktion, kein SLA), Standard (SLA 99,9 Prozent, mit Geo-Replikation 99,95) und Premium (SLA 99,9, mit Geo-Replikation 99,99, ohne Anfragekontingent). Abgerechnet werden Store-Tage plus Anfragen über dem täglichen Inklusivkontingent. Stand: Oktober 2026.

Fazit

App Configuration lohnt sich, sobald mehrere Anwendungen oder Umgebungen dieselben Einstellungen brauchen. Kombiniere es mit Key Vault und Managed Identity.