Azure Managed Applications

Allgemeine Infos

Eine Azure Managed Application ist ein paketiertes Angebot aus ARM-Template und Oberfläche, das Ressourcen in einer verwalteten Resource Group (Managed Resource Group) in der Subscription des Kunden bereitstellt. Der Kunde sieht eine einzelne Anwendungsressource in seiner eigenen Resource Group, die eigentlichen VMs, Netze und Datenbanken liegen in der verwalteten Gruppe.

Veröffentlicht werden Managed Applications entweder extern über den Microsoft Marketplace, typischerweise von Softwareherstellern und Managed Service Providern mit Abrechnung über Azure, oder intern über den Service Catalog als freigegebene Standardlösungen für die eigene Organisation.

Abzugrenzen ist Azure Lighthouse: Dort delegiert der Kunde Rechte an bestehenden Ressourcen, bei Managed Applications bringt der Anbieter die Ressourcen selbst mit.

Funktionsweise & Details

Der Zugriff ist über vier Berechtigungsmodelle steuerbar:

  1. Anbieterverwaltet (Standard): Der Anbieter hat Verwaltungszugriff auf die verwaltete Resource Group, eine Deny-Zuweisung beschränkt den Kunden auf Lesen.
  2. Anbieter- und Kundenzugriff: Beide haben vollen Zugriff, die Deny-Zuweisung entfällt.
  3. Gesperrt: Weder Anbieter noch Kunde können die Ressourcen ändern.
  4. Kundenverwaltet: Der Kunde hat vollen Zugriff, der Anbieter keinen.

Der Anbieter kann dauerhafte Rechte oder Just-in-Time-Zugriff (jitRequests) anfordern, den der Kunde genehmigt. Zusätzlich lassen sich dem Kunden einzelne Aktionen freigeben, etwa VM-Neustarts. Technisch basiert alles auf dem Ressourcenanbieter Microsoft.Solutions.

Vorteile & Nutzen

  • Betrieb und Updates durch den Anbieter, ohne dass der Kunde Spezialwissen aufbauen muss
  • Standardisierte, getestete Bereitstellung statt individueller Installationen
  • Daten und Ressourcen bleiben in der Subscription und Region des Kunden
  • Interne Service-Catalog-Angebote setzen Unternehmensstandards ohne manuelle Prüfungen durch

Praxisbeispiel

Ein Hersteller von Laborinformationssystemen liefert seine Lösung als Managed Application über den Marketplace aus. Ein Chemielabor mit 80 Beschäftigten installiert sie in der eigenen Subscription in Germany West Central. Der Hersteller patcht Datenbank und Anwendungsserver über Just-in-Time-Zugriffe, die das Labor einzeln genehmigt. So bleiben die Messdaten im eigenen Tenant, und das Labor muss die Spezialsoftware nicht selbst betreiben.

Worauf sollte man achten?

  • Vor dem Kauf prüfen, welches Berechtigungsmodell gilt und ob der Anbieter dauerhaften oder Just-in-Time-Zugriff erhält
  • Auftragsverarbeitung nach DSGVO und Supportzuständigkeit vertraglich klären, weil der Anbieter auf Kundendaten zugreifen kann
  • Ressourcen in der verwalteten Gruppe verursachen normale Azure-Kosten zusätzlich zu Anbietergebühren
  • Beim Löschen der Managed Application entfernt Azure auch die verwaltete Resource Group, Datensicherung vorher klären

Lizenz & Verfügbarkeit

Es fallen die Azure-Kosten der enthaltenen Ressourcen an, bei Marketplace-Angeboten zusätzlich die Gebühren des Anbieters über die Azure-Rechnung. Interne Service-Catalog-Angebote verursachen keine Zusatzgebühr. Stand: Oktober 2026.

Fazit

Managed Applications verlagern Betrieb zum Anbieter, ohne die Daten aus der eigenen Subscription zu holen. Kläre vor dem Einsatz Zugriffsmodell, Kosten und Ausstiegsszenario.