Azure Traffic Manager

Allgemeine Infos

Azure Traffic Manager ist ein DNS-basierter Lastverteiler. Er beantwortet DNS-Anfragen für einen Namen wie app.contoso.trafficmanager.net mit der Adresse des passenden Endpunkts. Der eigentliche Datenverkehr läuft danach direkt zwischen Client und Endpunkt, Traffic Manager ist kein Proxy.

Endpunkte können beliebige internetfähige Dienste sein, in Azure (etwa App Service oder öffentliche IP) oder außerhalb, zum Beispiel ein Webserver im eigenen Rechenzentrum. Über verschachtelte Profile lassen sich Routingmethoden kombinieren.

Abgrenzung: Azure Front Door verteilt HTTP- und HTTPS-Verkehr ebenfalls global, arbeitet aber als Reverse Proxy mit Caching, WAF und sofortigem Failover. Traffic Manager eignet sich für beliebige Protokolle und einfache Georedundanz. Eine Abkündigung ist nicht bekannt, die Dokumentation wurde im Oktober 2026 aktualisiert.

Funktionsweise & Details

So entscheidet Traffic Manager:

  1. Die Integritätsprüfung fragt jeden Endpunkt regelmäßig per HTTP, HTTPS oder TCP ab und nimmt ausgefallene aus der Antwort.
  2. Die Routingmethode wählt aus den gesunden Endpunkten: Priorität (Failover in fester Reihenfolge), Gewichtet (Verteilung nach Gewicht 1 bis 1000), Leistung (geringste Latenz laut Internet-Latenztabelle), Geografisch (nach Herkunft der DNS-Anfrage), Mehrere Werte (alle gesunden IPv4- oder IPv6-Endpunkte) oder Subnetz (Zuordnung nach IP-Bereichen).
  3. Die Antwort wird mit einer TTL ausgeliefert und von Resolvern und Clients zwischengespeichert.

Mit Traffic Manager Linked Records in Azure DNS kann ein Eintrag direkt auf ein Profil verweisen, ohne CNAME auf trafficmanager.net.

Vorteile & Nutzen

  • Georedundanz und automatisches Failover zwischen Regionen oder zwischen Azure und eigenem Rechenzentrum
  • Funktioniert für beliebige Protokolle, weil nur DNS beantwortet wird
  • Kein Engpass im Datenpfad, da der Verkehr nicht durch Traffic Manager läuft
  • Einfache Einrichtung und geringe Kosten im Vergleich zu Proxy-Lösungen

Praxisbeispiel

Ein Anbieter von Wartungssoftware betreibt sein Kundenportal in Germany West Central und als Notfallkopie in West Europe. Traffic Manager mit Priorität-Routing zeigt normalerweise auf die primäre Region und prüft per HTTPS eine Statusseite. Bei einem Regionsausfall schaltet die Auflösung auf West Europe um. Die TTL ist auf 60 Sekunden gesetzt, sodass die meisten Kunden innerhalb weniger Minuten umgeleitet werden.

Worauf sollte man achten?

  • DNS-Caching verzögert Umschaltungen, eine niedrige TTL beschleunigt sie, erhöht aber die Zahl der Abfragen
  • Integritätsprüfung auf eine Seite richten, die die echte Anwendungsfunktion abbildet, etwa inklusive Datenbankzugriff
  • Leistung- und Geografisch-Routing sehen die IP des DNS-Resolvers, nicht die des Clients, was zu unerwarteten Zuordnungen führen kann
  • Für HTTP-Anwendungen mit Bedarf an WAF, Caching oder sofortigem Failover Azure Front Door prüfen

Lizenz & Verfügbarkeit

Abrechnung nach Anzahl der DNS-Abfragen, Anzahl der überwachten Integritätsprüfungen (Azure- und externe Endpunkte unterschiedlich) und optionalen Zusatzfunktionen wie Real User Measurements. Stand: Oktober 2026.

Fazit

Traffic Manager ist die schlanke Lösung für DNS-basierte Georedundanz. Für reine Webanwendungen mit höheren Anforderungen ist Front Door meist die bessere Wahl.