Azure
Azure Virtual Desktop (AVD)
Allgemeine Infos
Azure Virtual Desktop (früher Windows Virtual Desktop) stellt Desktops und einzelne Anwendungen (RemoteApp) aus Azure bereit. Microsoft betreibt die Verwaltungsebene mit Broker, Gateway, Webzugang und Diagnose. Du stellst die Sitzungshosts als VMs im eigenen Abonnement bereit, dazu Netzwerk, Images und Profilspeicher.
Windows 11 und Windows 10 Enterprise Multi-Session gibt es nur in AVD. Mehrere Benutzer teilen sich damit eine Client-VM, was die Kosten gegenüber persönlichen Desktops senkt. Daneben unterstützt AVD persönliche Desktops und Windows Server als Sitzungshost. Mit Azure Virtual Desktop for Azure Local laufen Sitzungshosts auch im eigenen Rechenzentrum.
Wichtige Änderung: AVD classic (die erste Generation ohne Azure Resource Manager) wird am 30. September 2026 eingestellt, Verbindungen zu klassischen Ressourcen werden danach blockiert. Abgrenzung: Windows 365 ist ein Cloud-PC zum Festpreis pro Benutzer mit weniger Gestaltungsfreiheit, AVD rechnet nach Azure-Verbrauch ab und erlaubt Multi-Session und eigene Architektur.
Funktionsweise & Details
Die AVD-Bausteine:
- Hostpool: Gruppe von Sitzungshosts, entweder gepoolt (mehrere Benutzer pro VM) oder persönlich (feste Zuordnung).
- Anwendungsgruppen: Veröffentlichen einen vollständigen Desktop oder einzelne RemoteApps und werden Benutzergruppen zugewiesen.
- Arbeitsbereich: Fasst Anwendungsgruppen zusammen, die Benutzer im Client sehen.
- Sitzungshosts: Azure-VMs, Entra-joined oder hybrid gejoint und per Intune verwaltet, Images aus Azure Compute Gallery oder Azure Image Builder.
- Profile: FSLogix legt Benutzerprofile als Container auf Azure Files oder Azure NetApp Files ab.
- Skalierungspläne starten und stoppen Hosts nach Zeitplan und Last.
Benutzer verbinden sich mit Windows App, dem Remote-Desktop-Client oder per HTML5 im Browser. Die Hosts bauen ausgehende Reverse-Verbindungen zum Dienst auf, eingehende Ports sind nicht nötig. Die Anmeldung erfolgt über Microsoft Entra ID mit MFA und Conditional Access.
Vorteile & Nutzen
- Multi-Session senkt die Kosten pro Benutzer, weil sich mehrere Sitzungen eine VM teilen.
- Kein Betrieb von Gateway, Broker und Lizenzserver wie bei klassischen Remote Desktop Services.
- Daten bleiben im Rechenzentrum, was bei Homeoffice, externen Dienstleistern oder Leihgeräten das Risiko von Datenabfluss senkt.
- Skalierungspläne fahren Hosts außerhalb der Arbeitszeit herunter und reduzieren Compute-Kosten.
- Integration mit Entra ID, Intune und Conditional Access ermöglicht einheitliche Sicherheitsrichtlinien.
Praxisbeispiel
Ein Planungsbüro für Gebäudetechnik mit 150 Mitarbeitenden ersetzt seine lokale RDS-Farm, deren Hardware ausläuft. Die IT baut einen gepoolten Hostpool mit Windows 11 Enterprise Multi-Session, verwaltet die Hosts mit Intune, legt FSLogix-Profile auf Azure Files ab und startet die Hosts per Skalierungsplan um 6 Uhr hoch und ab 19 Uhr herunter. Die Benutzer haben Microsoft 365 E3 und damit bereits die Nutzungsrechte. Externe Bauleiter erhalten nur RemoteApps für das Projekt-Tool.
Worauf sollte man achten?
- Prüfe die Lizenzberechtigung jedes Benutzers, bevor Du Desktops zuweist. Für Windows-Server-Hosts brauchst Du zusätzlich RDS-CALs mit Software Assurance.
- Migriere verbliebene AVD-classic-Umgebungen vor dem 30. September 2026 auf ARM-basierte Hostpools.
- Dimensioniere den Profilspeicher nach IOPS und Latenz, sonst verlängern sich die Anmeldezeiten deutlich.
- Teste Latenz und Bandbreite von den Standorten aus und nutze RDP Shortpath, wo möglich.
- Vergleiche bei kleinen, gleichförmigen Gruppen Windows 365 als Alternative mit festen Kosten.
Lizenz & Verfügbarkeit
Nutzungsrechte für interne Benutzer laut Microsoft mit Microsoft 365 E3, E5, A3, A5, F3, Business Premium oder Student Use Benefit, Windows Enterprise E3/E5, Windows Education A3/A5 oder Windows VDA pro Benutzer. Windows-Server-Sitzungshosts benötigen RDS-CALs mit Software Assurance oder RDS User Subscription Licenses. Für externe kommerzielle Nutzung gibt es Per-User Access Pricing über das Azure-Abonnement. Compute, Speicher und Netzwerk werden in Azure abgerechnet. AVD classic wird am 30. September 2026 eingestellt. Stand: Oktober 2026.
Fazit
AVD ist die flexible Wahl für virtuelle Desktops mit Multi-Session und eigener Architektur. Prüfe die Lizenzrechte, plane Profile und Skalierung sauber und vergleiche bei einfachen Szenarien mit Windows 365.
Weiterführende Links
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