Microsoft Fabric

Allgemeine Infos

Microsoft Fabric ist eine Analyseplattform, die Microsoft als Software as a Service betreibt. Sie deckt den gesamten Datenweg ab: Datenaufnahme und Transformation mit Data Factory (über 200 native Konnektoren), Data Engineering mit Apache Spark, Data Warehouse, Data Science, Real-Time Intelligence für Streaming-Daten, transaktionale Datenbanken (SQL database in Fabric) und Berichte mit Power BI. Alle Workloads teilen sich ein gemeinsames Rechen- und Speichermodell. Für die Nutzung selbst brauchst Du kein Azure-Konto, Kapazitäten kaufst Du aber über Azure oder einen CSP.

Zentraler Speicher ist OneLake: ein einziger Data Lake pro Tenant auf Basis von Azure Data Lake Storage Gen2. Shortcuts binden externe Daten aus ADLS, Amazon S3 oder Google Cloud Storage ohne Kopie ein, Mirroring repliziert Quellen wie Azure SQL Database, Azure Cosmos DB, Azure Databricks oder Snowflake fortlaufend nach OneLake. Der OneLake Catalog bündelt Suche und Governance, Microsoft Purview liefert Informationsschutz, DLP und Audit für unterstützte Fabric-Daten.

Abgrenzung: Microsoft Power BI ist ein Workload innerhalb von Fabric und hat einen eigenen Eintrag. Azure Synapse Analytics und Azure Data Factory sind die PaaS-Vorgänger, für die kein Retirement angekündigt ist, deren Weiterentwicklung aber in Fabric stattfindet: Data Factory in Fabric gilt als nächste Generation von ADF, für dedizierte Synapse-SQL-Pools gibt es einen Migrationsassistenten. Azure Databricks ist eine Spark-Plattform eines Partners, deren Daten sich per Mirroring in OneLake spiegeln lassen.

Aktuell: Microsoft konsolidiert die Kapazitätsangebote und stellt die Power-BI-Premium-Kapazitäten (P-SKUs) zugunsten der Fabric-Kapazitäten (F-SKUs) ein. Fabric IQ befindet sich in der Preview und bündelt Geschäftssemantik mit Ontologie, Planung, Fabric Graph und Agenten. Copilot in Fabric hilft beim Schreiben von Abfragen, Pipelines und Code.

Funktionsweise & Details

Fabric organisiert sich über Tenant, Kapazität und Arbeitsbereich:

  1. Ein Fabric-Administrator aktiviert Fabric im Tenant und steuert über Tenant-Einstellungen, wer Elemente anlegen darf. Identitäten und Gruppen kommen aus Microsoft Entra ID.
  2. Eine Kapazität (F-SKU, gemessen in Capacity Units, CU) stellt die Rechenleistung für alle Workloads bereit. Sie wird in Azure gekauft und sekundengenau mit einer Minute Mindestlaufzeit abgerechnet oder per Jahresreservierung bezogen.
  3. Arbeitsbereiche (Workspaces) funktionieren wie Ordner und werden einer Kapazität zugeordnet. Darin entstehen Elemente wie Lakehouse, Warehouse, Pipeline, Notebook oder Semantikmodell.
  4. Die Elemente speichern ihre Daten in OneLake, das Data Warehouse nativ im offenen Delta-Lake-Format. Lese- und Schreibvorgänge verbrauchen CU der Kapazität, der Speicher erscheint als eigener Posten.
  5. Power BI greift auf dieselben Daten zu und stellt Berichte bereit. Übersteigt der CU-Verbrauch die Kapazität, drosselt Fabric Vorgänge vorübergehend (Throttling).

Vorteile & Nutzen

  • Eine Plattform statt Dienstekette: Integration, Speicherung, Analyse und Berichte liegen in einem Produkt mit gemeinsamer Verwaltung, statt ADF, Data Lake, Synapse und Power BI einzeln zu verbinden.
  • Weniger Kopien: Shortcuts und Mirroring machen Daten aus bestehenden Quellen nutzbar, ohne eigene ETL-Strecken zu bauen.
  • Offenes Format: Delta Lake und die ADLS-Gen2-Technik unter OneLake halten die Daten auch für andere Werkzeuge lesbar.
  • Ein Kapazitätsmodell: Alle Workloads verbrauchen dieselben CU, die Kosten hängen an der Kapazität statt an vielen Einzelzählern.
  • Lizenzen sparen ab F64: Leser mit Viewer-Rolle sehen Power-BI-Inhalte dann mit der kostenlosen Lizenz, was bei vielen Berichtskonsumenten Pro-Lizenzen erspart.

Praxisbeispiel

Ein Maschinenbauer mit 800 Mitarbeitenden betreibt eine nächtliche ADF-Strecke, die ERP-Daten in einen Data Lake lädt, einen dedizierten Synapse-SQL-Pool als Data Warehouse und rund 60 Power-BI-Pro-Lizenzen. Die IT startet mit der 60-tägigen Fabric-Testkapazität, spiegelt die Azure-SQL-Datenbank des MES per Mirroring nach OneLake und bindet den bestehenden Data Lake per Shortcut ein. Das Warehouse zieht mit dem Migrationsassistenten aus dem dedizierten SQL-Pool um. Danach kauft das Unternehmen eine F-SKU mit Jahresreservierung und schaltet ADF und Synapse nach einer Parallelphase ab.

Worauf sollte man achten?

  • Dimensioniere die Kapazität anhand echter Last: Die Capacity Metrics App zeigt den CU-Verbrauch je Vorgang und hilft, Drosselung zu vermeiden.
  • Unterhalb von F64 braucht jeder Leser von Power-BI-Inhalten Pro, PPU oder eine Testlizenz. Rechne das gegen eine größere Kapazität, bevor Du die SKU festlegst.
  • Premium Per User stellt keine Fabric-Kapazität bereit: Mit PPU allein lassen sich keine Nicht-Power-BI-Elemente wie Lakehouse oder Pipelines betreiben.
  • Beschränke das Anlegen von Fabric-Elementen per Tenant-Einstellung zunächst auf eine Gruppe, sonst entstehen Arbeitsbereiche und Kapazitätslast ohne Plan.
  • Soft-gelöschte Daten in OneLake werden wie aktive Daten berechnet. Plane Aufbewahrung und Bereinigung im Lakehouse mit ein.

Lizenz & Verfügbarkeit

Kapazitätsbasiert: F-SKUs (von Microsoft empfohlen) werden über Azure oder einen CSP gekauft und ohne Bindung sekundengenau mit einer Minute Mindestlaufzeit abgerechnet oder als Jahresreservierung bezogen. Eine Testkapazität mit 64 CU läuft 60 Tage. Power-BI-Premium-Kapazitäten (P-SKUs) gibt es nur noch für Bestandskunden mit aktivem Enterprise Agreement, Microsoft stellt sie ein. Pro Benutzer: Die Lizenz Fabric (Free) erlaubt Nicht-Power-BI-Elemente in Arbeitsbereichen auf F- oder Testkapazitäten, zum Teilen von Power-BI-Inhalten ist Power BI Pro oder PPU nötig. Ab F64 genügt Lesern mit Viewer-Rolle die Free-Lizenz. OneLake-Speicher wird separat nach Datenmenge berechnet, Transaktionen verbrauchen CU der Kapazität. Stand: Oktober 2026.

Fazit

Microsoft Fabric ist Microsofts strategische Plattform für Analyse und Reporting und der Ausgangspunkt für neue Datenprojekte. Wer heute ADF, Synapse und Power BI kombiniert, plant den Umstieg schrittweise über Mirroring, Shortcuts und den Migrationsassistenten.