Infra & Netzwerk
Quality of Service (QoS)
Allgemeine Infos
Quality of Service bezeichnet Mechanismen, mit denen ein Netzwerk bestimmten Verkehr bevorzugt. Ohne QoS werden alle Pakete gleich behandelt. Ist eine Leitung ausgelastet, leiden Echtzeitanwendungen wie Telefonie und Videokonferenzen zuerst, weil Verzögerung, Schwankung (Jitter) und Paketverlust sofort hör- und sichtbar sind.
Für Microsoft Teams empfiehlt Microsoft QoS, wenn viele Benutzer Qualitätsprobleme haben. Ein kleines Unternehmen mit wenigen Benutzern braucht es laut Microsoft nicht zwingend, sollte es bei Verzögerungen aber in Betracht ziehen. Wirksam ist QoS nur, wenn alle Komponenten auf dem Weg (Clients, Switches, Router, Firewalls, WAN) die Markierungen beachten.
Abgrenzung: QoS schafft keine zusätzliche Bandbreite, es verteilt die vorhandene nur anders. Im Internet werden Markierungen in der Regel nicht beachtet, QoS wirkt deshalb vor allem im eigenen LAN und auf verwalteten WAN-Strecken.
Funktionsweise & Details
QoS arbeitet in drei Schritten:
- Klassifizieren und markieren: Der Verkehr wird erkannt, etwa über Ports oder Anwendungen, und im IP-Header mit einem DSCP-Wert markiert. DSCP ist ein 6-Bit-Feld im DS-Feld von IPv4 und IPv6, definiert in RFC 2474.
- Einreihen: Switches und Router ordnen die Pakete anhand der Markierung verschiedenen Warteschlangen zu, z. B. per Priority Queuing oder Class-Based Weighted Fair Queueing.
- Weiterleiten und begrenzen: Die Prioritätswarteschlange wird zuerst bedient, andere Klassen erhalten garantierte Anteile, Shaping und Policing begrenzen Datenraten.
Microsoft empfiehlt für Teams folgende Client-Quellports und DSCP-Werte: Audio 50.000 bis 50.019 mit DSCP 46 (EF), Video 50.020 bis 50.039 mit DSCP 34 (AF41), Bildschirmfreigabe 50.040 bis 50.059 mit DSCP 18 (AF21). Unter Windows setzt richtlinienbasiertes QoS die Markierung per Gruppenrichtlinie oder Intune.
Vorteile & Nutzen
- Stabilisiert Telefonie und Videokonferenzen auch bei hoher Auslastung der Leitung
- Schützt geschäftskritische Steuerungs- oder Kassendaten vor großen Downloads oder Backups
- Nutzt vorhandene Bandbreite gezielter, bevor teure Leitungserweiterungen nötig werden
- Macht die Priorisierung nachvollziehbar, weil Klassen und Regeln zentral definiert sind
Praxisbeispiel
Ein Callcenter-Dienstleister mit 150 Plätzen telefoniert über Teams Phone. Nachmittags, wenn Backups zur Zentrale laufen, klagen Mitarbeitende über abgehackte Gespräche. Die IT legt die von Microsoft empfohlenen Portbereiche fest, markiert Audio und Video per Intune-Richtlinie mit DSCP 46 und 34, richtet auf Switches und Firewall eine Prioritätswarteschlange ein und begrenzt die Backup-Bandbreite tagsüber. Die Beschwerden über Sprachqualität gehen danach deutlich zurück.
Worauf sollte man achten?
- QoS durchgängig planen, ein einziger Switch ohne Konfiguration auf dem Weg hebt die Wirkung auf
- Markierungen von Endgeräten nur für bekannte Anwendungen vertrauen, sonst kann jeder Client seinen Verkehr hochstufen
- Die Prioritätsklasse begrenzen, damit nicht zu viel Verkehr als Echtzeit markiert wird und andere Dienste verhungern
- Vorher und nachher messen, z. B. mit den Anrufqualitätsdaten von Teams, um den Effekt zu belegen
- Bei WLAN prüfen, ob die Access Points DSCP auf WLAN-Prioritäten (WMM) abbilden
Fazit
QoS lohnt sich überall dort, wo Echtzeitkommunikation und Datenverkehr dieselben Leitungen teilen. Plane es Ende zu Ende und beginne mit den von Microsoft für Teams empfohlenen Werten.
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