Windows & Server
Schattenkopien (Volume Shadow Copy Service)
Allgemeine Infos
Schattenkopien sind zeitpunktbezogene, schreibgeschützte Abbilder eines Volumes, die Windows über den Volume Shadow Copy Service (VSS) erstellt. VSS koordiniert Backup-Software, Anwendungen und Speicher so, dass auch laufende Anwendungen wie SQL Server, Exchange oder Active Directory konsistent gesichert werden können.
Für Admins tauchen Schattenkopien an zwei Stellen auf: als Grundlage nahezu jeder Windows-Backup-Software, einschließlich Windows Server Backup, und als „Schattenkopien freigegebener Ordner“ auf Dateiservern. Dort stellen Benutzer über den Reiter „Vorgängerversionen“ gelöschte oder überschriebene Dateien selbst wieder her.
Abgrenzung: Ein Snapshot auf Hypervisor- oder Speicherebene ist eine andere Technik, nutzt aber oft VSS im Gast für Konsistenz. Microsoft betont, dass eine Schattenkopie allein kein vollständiges Backup ist, sie liegt auf demselben Speicher wie die Originaldaten.
Funktionsweise & Details
VSS arbeitet mit drei Rollen und einem kurzen Einfrieren der Schreibzugriffe:
- Der Requester (z. B. Backup-Software) fordert eine Schattenkopie an und wählt die Komponenten aus.
- Die Writer der Anwendungen bringen ihre Daten in einen konsistenten Zustand, schließen Transaktionen ab und leeren Caches.
- VSS friert Schreib-I/O für höchstens 60 Sekunden ein und leert die Dateisystempuffer.
- Der Provider erstellt die Schattenkopie in höchstens 10 Sekunden; der Windows-Systemprovider nutzt Copy-on-Write und speichert Originalblöcke vor dem Überschreiben im Diff-Bereich, Hardwareprovider von SAN-Systemen erstellen die Kopie im Speichersystem.
- Die Schreibzugriffe werden freigegeben, die Anwendungen laufen weiter.
Pro Volume sind bis zu 512 Software-Schattenkopien möglich, für Vorgängerversionen standardmäßig 64 (Registry-Wert MaxShadowCopies). Verwaltet wird mit vssadmin (z. B. vssadmin resize shadowstorage) und auf Servern zusätzlich mit DiskShadow. Wird der Platz im Diff-Bereich knapp, löscht Windows die ältesten Schattenkopien.
Vorteile & Nutzen
- Backups laufender Anwendungen sind anwendungskonsistent, ohne die Dienste zu stoppen.
- Benutzer stellen versehentlich gelöschte Dateien selbst wieder her, das entlastet den Helpdesk.
- Wiederherstellungen aus Vorgängerversionen dauern Sekunden statt eines Restores aus dem Backup.
- In Windows und Windows Server enthalten, ohne Zusatzlizenz.
Praxisbeispiel
Ein Architekturbüro mit 30 Arbeitsplätzen erhielt mehrmals pro Woche Anfragen, versehentlich überschriebene Pläne zurückzuholen. Die IT aktiviert auf dem Dateiserver-Volume Schattenkopien zweimal täglich, reserviert dafür einen eigenen Speicherbereich und zeigt den Mitarbeitenden den Reiter „Vorgängerversionen“. Die meisten Wiederherstellungen erledigen die Benutzer seitdem selbst. Die nächtliche Datensicherung auf ein separates System bleibt bestehen, weil die Schattenkopien bei einem Ausfall des Volumes mit verloren wären.
Worauf sollte man achten?
- Schattenkopien ersetzen kein Backup: Ransomware löscht sie häufig gezielt mit vssadmin, und bei Defekt des Volumes sind sie mit weg.
- Lege den Diff-Bereich bei stark beschriebenen Volumes auf ein anderes Volume und dimensioniere ihn großzügig, sonst verschwinden ältere Stände schnell.
- Deaktiviere den VSS-Dienst nicht, weil Windows Server Backup, Systemwiederherstellung und Backup-Software davon abhängen.
- Überwache das Löschen von Schattenkopien (vssadmin delete shadows) als Ransomware-Indikator.
- Prüfe bei Backup-Fehlern zuerst den Zustand der VSS-Writer mit vssadmin list writers.
Lizenz & Verfügbarkeit
Volume Shadow Copy Service und Schattenkopien freigegebener Ordner sind in Windows und Windows Server ohne Zusatzlizenz enthalten; vssadmin gibt es auf Client und Server, DiskShadow nur auf Windows Server. Stand: Oktober 2026.
Fazit
Schattenkopien sind auf Dateiservern ein schneller Rettungsweg für einzelne Dateien und die technische Grundlage konsistenter Backups. Plane sie als Ergänzung zu einer echten, getrennten Datensicherung.
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