M365 Defender | Lizenzen 2026 ⏱ 20 Min.

M365 Defender | Lizenzen 2026

P1, P2, XDR und Business Premium

Sieben Produkte tragen den Namen Defender, vier davon in zwei Planstufen, und alle laufen im selben Portal zusammen. Wer daraus schließt, dass ein Produktname gleich einer Lizenz ist, plant falsch.

Der teuerste Fehler dabei ist nicht die zu kleine Lizenz, sondern die zu große: Du zahlst für Funktionen, die im Tenant nie aktiv werden, weil eine zweite Lizenz fehlt oder weil ein Mischbetrieb die gekaufte Stufe blockiert.

Dieser Beitrag klärt zuerst, welche Lizenz welche Funktion freischaltet. Danach folgt der Teil, der in den meisten Übersichten fehlt: was die Kombinationen kosten, ab wann sich ein Add-on gegen ein Suite-Upgrade rechnet, und wie derselbe Portalbildschirm in drei unterschiedlich lizenzierten Tenants aussieht.

Defender XDR ist keine Lizenz, sondern eine Korrelationsschicht

Microsoft verkauft kein Produkt namens Defender XDR. Es gibt keine SKU, keinen Listenpreis, keine Zuweisung pro Benutzer. Der Zugang zum Defender-Portal und zu den XDR-Funktionen entsteht als Nebenprodukt einer bestehenden Lizenz, und die Liste der qualifizierenden Lizenzen ist deutlich breiter, als in der Praxis angenommen wird.

LizenzwegKategorie
Microsoft 365 E5 oder A5Suite
Office 365 E5 oder A5Suite
Enterprise Mobility + Security E5 oder A5Suite
Windows 10 oder 11 Enterprise E5 oder A5Suite
Microsoft 365 E3 mit Defender-Suite-Add-onSuite plus Add-on
Microsoft 365 E3 mit EMS-E5-Add-onSuite plus Add-on
Microsoft 365 A3 mit A5-Security-Add-onSuite plus Add-on
Microsoft 365 Business PremiumSMB-Suite
Defender for BusinessSMB-Einzelprodukt
Defender for EndpointEinzelprodukt
Defender for IdentityEinzelprodukt
Defender for Cloud Apps oder Cloud App DiscoveryEinzelprodukt
Defender for Office 365 Plan 2Einzelprodukt
Defender for IoT, Enterprise IoT ProtectionEinzelprodukt

Zwei Einträge fallen auf: Microsoft 365 Business Premium und Defender for Business stehen ebenfalls auf dieser Liste. Ein Business-Premium-Tenant hat also Zugang zu Defender XDR, ohne ein einziges P2-Produkt zu besitzen.

Der Planungsfehler sitzt eine Ebene tiefer. XDR korreliert Signale aus den Workloads, die du lizenziert hast, und erzeugt selbst keine Telemetrie. Fehlt ein Workload, fehlt die zugehörige Signalquelle, und die Incident-Ansicht bleibt an dieser Stelle leer.

  • Defender for Endpoint: Prozesse, Dateien, Netzwerkverbindungen und Registry-Zugriffe auf den Clients
  • Defender for Identity: lokales Active Directory, AD FS, AD CS, Authentifizierungsereignisse und Lateral Movement
  • Defender for Office 365: E-Mail, Teams-Nachrichten, Dateien in SharePoint und OneDrive
  • Defender for Cloud Apps: SaaS-Nutzung, Schatten-IT, OAuth-App-Berechtigungen
  • Entra ID Protection: Anmelde- und Benutzerrisiken

Ein Tenant mit Business Premium sieht dasselbe Portal wie ein E5-Tenant. Portalzugang ist aber nicht gleich Sichtbarkeit, weil die Datenquellen für Identität und Cloud-Apps fehlen.

Zwei XDR-Funktionen sind zusätzlich an Defender for Endpoint Plan 2 gebunden, und hier widerspricht sich die Microsoft-Dokumentation selbst.

FunktionLaut XDR PrerequisitesLaut Defender-Preisseite
Automatic Attack DisruptionDefender for Endpoint Plan 2DfE P2, Defender for Cloud Apps, Defender for Identity, DfO P2
Threat AnalyticsDefender for Endpoint Plan 2keine abweichende Angabe

Der Widerspruch hat einen technischen Grund: Attack Disruption löst je nach Angriffsszenario unterschiedliche Aktionen aus, und Geräteaktionen wie das Isolieren eines Clients brauchen den Endpoint-Stack. Prüfe im eigenen Tenant, welche Aktionen tatsächlich verfügbar sind, statt dich auf eine der beiden Seiten zu verlassen.

Defender for Office 365: drei Stufen, nicht zwei

Der Mailschutz ist keine Ja-Nein-Entscheidung, sondern eine Leiter mit drei Sprossen. Wer sagt, er habe keinen Mailschutz, meint meist, er habe die Richtlinien der untersten Sprosse nie angepasst.

StufeEnthalten inSchwerpunkt
Built-in Security Featuresjedes Abonnement mit Cloud-Postfachbekannte, volumenbasierte Angriffe
Plan 1Microsoft 365 E3, Office 365 E3, Business PremiumZero-Day-Malware, Phishing, BEC
Plan 2Microsoft 365 E5, A5, G5, Office 365 E5, Defender SuiteUntersuchung, Reaktion, Automatisierung

Die Built-in Security Features stecken in jedem Abonnement mit Cloud-Postfach:

  • Anti-Malware, Anti-Spam samt Bulk-Filterung, Spoof-Schutz mit Spoof Intelligence
  • Ausgangsspam-Schutz und Connection Filtering
  • Quarantäne und Quarantäne-Richtlinien
  • Tenant Allow/Block List für Domains, Absender, Spoof, URLs und Dateien
  • Admin- und Benutzermeldungen an Microsoft
  • Message Trace, Audit-Log-Suche, E-Mail-Sicherheitsberichte
  • Zero-hour Auto Purge für E-Mail

Plan 1 ergänzt Prävention und Erkennung:

  • Erweiterte Anti-Phishing-Einstellungen mit Impersonation Protection für Benutzer und Domains
  • Mailbox Intelligence samt Impersonation-Erkennung über den Kontaktgraphen
  • Konfigurierbare Phishing-Schwellenwerte
  • Safe Attachments für E-Mail und für Dateien in SharePoint, OneDrive und Teams
  • Safe Links in E-Mail, Office-Clients und Teams
  • Tenant Allow/Block List für Teams-Domains und -Adressen
  • Benutzergemeldete Teams-Elemente, Teams-Nachrichten in Quarantäne, ZAP für Teams
  • Echtzeiterkennungen, Benutzertags einschließlich Priority Account, Email Entity Page
  • SIEM-Anbindung über die Office 365 Management APIs für Alerts und Detections

Plan 2 setzt auf Untersuchung, Reaktion und Automatisierung:

  • Angriffssimulationstraining
  • Priority Account Protection
  • Threat Explorer anstelle der Echtzeiterkennungen
  • Threat Trackers und Kampagnenansicht
  • Automated Investigation and Response, auch für kompromittierte Benutzer
  • Advanced Hunting, einschließlich Teams-Nachrichten
  • Untersuchung von Incidents und Alerts im Defender XDR
  • Entfernen von Benutzern aus Teams-Chats

Seit dem Sommer 2026 ändert sich die Ausgangslage für E3-Kunden. Der Rollout begann im Juni 2026 und sollte am 1. August 2026 abgeschlossen sein, die Preisanpassung greift zum 1. Juli 2026 (MC1304290).

SKUZusatz aus dem Update
Office 365 E1URL Time-of-Click Protection
Office 365 E3Defender for Office 365 Plan 1
Microsoft 365 E3Defender for Office 365 Plan 1
Microsoft 365 E5kein Defender-Zusatz, dafür Security Copilot
Business BasicURL Time-of-Click Protection
Business StandardURL Time-of-Click Protection
Business Premiumkein Defender-Zusatz, Plan 1 bereits enthalten

Zwei Details werden dabei regelmäßig verwechselt. Office 365 E1, Business Basic und Business Standard bekommen nicht Plan 1, sondern nur den Klickzeitschutz für Links. Safe Attachments und Impersonation Protection sind dort nicht enthalten. Und Business Premium bekommt keinen Defender-Zusatz, weil Plan 1 dort schon lange steckt.

Ein Punkt aus dem Message Center wird in den Übersichten meist überlesen und trifft dich im Betrieb zuerst: Die Built-in Protection Policy samt Safe Links, Safe Attachments und Anti-Phishing wird beim Rollout standardmäßig auf alle Benutzer angewendet. Diese Richtlinie lässt sich nicht deaktivieren, nur durch eigene Richtlinien mit höherer Priorität überschreiben oder per Ausnahme für Benutzer, Gruppen und Domains einschränken.

Daraus folgen drei Aufgaben vor dem Rollout-Termin:

  • Wenn ein Drittanbieter-Gateway vor Exchange Online hängt, konfiguriere Enhanced Filtering for Connectors, sonst bewertet Defender die IP des Gateways statt die des echten Absenders.
  • Kläre, welches System Links umschreibt. Zwei Systeme, die beide URLs rewriten, erzeugen kaputte Links und doppelte Klickprotokolle.
  • Rechne mit neuen Alerts im Defender-Portal, für die es bisher keinen Prozess gibt. Ohne Zuständigkeit landen sie ungelesen im Dashboard.

Passend dazu: Exchange Online Hardening zeigt die Connector- und Transportregeln, die du vor dem Rollout sauber ziehen musst, damit Enhanced Filtering überhaupt greift, und im MS365 Message Center findest du die laufenden Ankündigungen zum Termin für deinen eigenen Tenant.

Defender for Endpoint: Plan 1 kann nicht erkennen

Der Unterschied zwischen den Endpoint-Plänen ist keine Frage des Komforts. Plan 1 liefert Prävention, Plan 2 liefert Erkennung. Ein laufender Angriff, der keine Datei mit bekannter Signatur ablegt, erzeugt in Plan 1 keinen Alarm, weil die Verhaltenserkennung samt Alarmkette zu Plan 2 gehört.

FunktionPlan 1Plan 2
Next-Generation-Antimalwarejaja
Regeln zur Angriffsflächenreduzierungjaja
Device Controljaja
Endpoint Firewalljaja
Network Protectionjaja
Application Controljaja
Manuelle Reaktionsaktionenjaja
Endpoint Detection and Responseneinja
Automated Investigation and Remediationneinja
Schwachstellenmanagement (Kernumfang)neinja
Threat Analyticsneinja
Deep Analysis in der Sandboxneinja
Defender Expertsneinja
Datenaufbewahrung für Advanced Huntingnein6 Monate
Enthalten inMicrosoft 365 E3, A3, G3Microsoft 365 E5, Defender Suite, Windows Enterprise E5

Zwei Punkte gehören in jede Kalkulation:

  • Das erweiterte Schwachstellenmanagement ist ein eigenes Produkt. Defender Vulnerability Management gibt es als Add-on für Plan-2-Kunden und als Standalone-Variante für Kunden mit Plan 1 oder Microsoft 365 E3.
  • Serverbetriebssysteme sind über die Benutzerlizenz nicht abgedeckt. Sie brauchen Defender for Endpoint for Servers oder Defender for Servers aus Defender for Cloud.

Business Premium und die Mischlizenz-Falle

Business Premium enthält Defender for Business für die Endgeräte und Defender for Office 365 Plan 1 für Mail und Dateien. Defender for Business liegt funktional zwischen den Endpoint-Plänen.

FunktionDfE Plan 1Defender for BusinessDfE Plan 2
Next-Generation-Schutzjajaja
Angriffsflächenreduzierungjajaja
Endpoint Detection and Responseneinjaja
Automated Investigation and Remediationneinjaja
Vereinfachtes Onboarding und Richtlinienneinjanein
Advanced Hunting mit 6 Monaten Aufbewahrungneinneinja
Deep Analysis in der Sandboxneinneinja
Defender Expertsneinneinja
Benutzergrenzekeine300keine

Die harten Rahmenbedingungen für die SMB-Variante:

  • Die Grenze von 300 Benutzern gilt für Defender for Business und für Business Premium. Sie ist keine technische Drosselung, sondern eine Lizenzbedingung.
  • Server laufen über das Add-on Defender for Business servers, das ebenfalls auf 300 Benutzer begrenzt ist.
  • Defender for Business unterstützt keine gemischte Lizenzierung.

Der letzte Punkt ist der eigentliche Stolperstein. Sobald in einem Tenant Defender for Business vorhanden ist, fällt die gesamte Umgebung auf die Defender-for-Business-Erfahrung zurück, auch für jene Benutzer, die zusätzlich Defender for Endpoint Plan 2 zugewiesen bekommen haben.

Microsofts eigenes Beispiel: 80 Benutzer mit Business Premium, dazu 30 Lizenzen der Defender Suite mit Plan 2, Ergebnis sind 80 Benutzer mit Defender-for-Business-Erfahrung. Um auf die Plan-2-Erfahrung umzuschalten, musst du alle Benutzer für Plan 2 lizenzieren und anschließend den Support kontaktieren, damit der Wechsel für den Tenant durchgeführt wird.

Wer schrittweise migrieren will, kauft in dieser Konstellation Funktionen, die niemand sieht. Was dieser Fehler kostet, steht weiter unten im Kostenteil.

Identity und Cloud Apps: pro Benutzer, nicht pro Sensor

Defender for Identity ist eine Benutzerlizenz. Der häufigste Kalkulationsfehler ist der Einkauf nach Sensoranzahl oder nach Domain Controllern, denn der Sensor selbst wird nicht lizenziert. Diese Wege führen zur Lizenz:

  • Enterprise Mobility + Security E5 oder A5
  • Microsoft 365 E5, A5 oder G5
  • Microsoft 365 F5 Security beziehungsweise F5 Security + Compliance
  • Defender Suite als Add-on zu E3
  • Defender for Identity als Standalone-Lizenz

Bei Defender for Cloud Apps kommt die Verwechslungsgefahr aus dem Namen. Die beiden Produkte haben nichts miteinander zu tun.

MerkmalDefender for Cloud AppsDefender for Cloud
SchutzobjektSaaS-Nutzung und Schatten-ITAzure-, AWS- und GCP-Ressourcen
Abrechnungpro Benutzerpro Ressource
BudgetMicrosoft-365-LizenzenAzure-Verbrauch
Enthalten inEMS E5, Microsoft 365 E5, Defender Suitekeine Microsoft-365-Suite

Passend dazu: EntraID vs. Active Directory im Vergleich klärt, welche Verzeichnisdienste bei dir überhaupt lokal laufen, denn genau davon hängt ab, ob Defender for Identity Signale liefert oder als Lizenz ungenutzt bleibt.

Die Add-on-Route: Defender Suite

Das frühere Add-on Microsoft 365 E5 Security heißt seit Oktober 2025 Microsoft Defender Suite. Inhalt und Funktionsumfang blieben gleich:

  • Microsoft Entra ID Plan 2
  • Defender for Identity
  • Defender for Endpoint Plan 2
  • Defender for Office 365 Plan 2
  • Defender for Cloud Apps

Für kleinere Umgebungen gibt es eine eigene Variante. Business Premium ist seit Mai 2025 keine gültige Voraussetzung für das Enterprise-Add-on mehr, die beiden Wege sind getrennt.

Add-onVoraussetzungZielgruppe
Microsoft Defender SuiteMicrosoft 365 E3 oder Office 365 E3 mit EMS E3ab 300 Benutzer
Microsoft Defender Suite for Business PremiumMicrosoft 365 Business Premiumbis 300 Benutzer

Rechnerisch ergibt E3 plus Defender Suite den Sicherheitsumfang von E5 ohne die Purview-Compliance-Funktionen, den Power-BI-Anteil und die Telefonie. Wenn der Grund für einen E5-Upgrade ausschließlich Security war, ist das die günstigere Route. Mit dem Umzug von Defender for Office 365 Plan 1 in E3 verschiebt sich diese Rechnung noch weiter, weil eine der Begründungen für E5 aus der Vergangenheit jetzt in E3 steckt.

Passend dazu: Entra ID Upgrade auf P1 oder P2 zeigt, was der in der Defender Suite enthaltene Entra ID P2 konkret freischaltet, damit du diesen Anteil nicht doppelt einkaufst.

Gleiche Ansicht aber drei Lizenzstände

Die Lizenztabellen erklären, was du kaufst. Was du davon siehst, zeigt erst das Portal. Die folgenden drei Tenants rufen dieselbe URL auf, security.microsoft.com, und bekommen drei unterschiedliche Oberflächen.

Tenant A: kein Defender-Produkt, nur Built-in Security

Ausgangslage: Business Basic oder Office 365 E1 ohne Zusatzlizenz, Stand vor dem Packaging-Rollout. Das Portal öffnet sich, weil jedes Cloud-Postfach Exchange Online Protection mitbringt. Die Navigation ist kurz.

Sichtbar sind Bedrohungsrichtlinien, Quarantäne, Übermittlungen und der Message Trace. Nicht sichtbar sind Safe Links, Safe Attachments, Echtzeiterkennungen, Explorer, Gerätebestand und Advanced Hunting. Das Incident-Dashboard existiert als Menüpunkt, bleibt aber leer, weil keine Signalquelle Alerts erzeugt.

Der praktische Effekt: Eine Phishing-Mail mit einem beim Versand sauberen Link, der zwei Stunden später bösartig wird, wird zugestellt und beim Klick nicht geprüft. Es entsteht kein Alert, weil es keinen Detektor gibt.

Tenant B: Business Premium

Ausgangslage: Microsoft 365 Business Premium, 120 Benutzer, keine Zusatzlizenz.

Jetzt füllt sich die Navigation. Defender for Office 365 Plan 1 bringt Safe Links, Safe Attachments und Impersonation Protection, Defender for Business bringt den Gerätebestand samt EDR und automatischer Untersuchung. Das Incident-Dashboard zeigt Vorfälle, sobald Mail oder Endpoint etwas melden.

Zwei Lücken bleiben und sie sind lizenzbedingt, nicht konfigurationsbedingt:

  • Unter E-Mail und Zusammenarbeit steht Echtzeiterkennungen, nicht Explorer. Damit fehlen Kampagnenansicht, Threat Trackers und AIR für kompromittierte Benutzer.
  • Unter Advanced Hunting fehlen die Endpoint-Tabellen mit 6 Monaten Historie. Defender for Business hält keine vergleichbare Rohdaten-Retention vor.

Dazu fehlen zwei komplette Signalquellen, wenn ein lokales Active Directory im Einsatz ist: Defender for Identity und Defender for Cloud Apps sind in Business Premium nicht enthalten. Ein Angriff, der über einen kompromittierten Client zum Domain Controller läuft, bricht in der Incident-Ansicht genau an der Stelle ab, an der es interessant wird.

Tenant C: Business Premium plus Defender Suite for Business Premium

Ausgangslage: dieselben 120 Benutzer, alle mit dem Add-on ausgestattet.

Aus Echtzeiterkennungen wird Explorer. Advanced Hunting bekommt die Endpoint-Tabellen mit voller Retention. Zwei neue Bereiche erscheinen: Identitäten mit den Signalen aus dem lokalen AD und Cloud-Apps mit Schatten-IT und OAuth-Berechtigungen. Entra ID P2 schaltet zusätzlich risikobasierten Conditional Access frei.

Wichtig ist das Wort alle in der Ausgangslage. Wenn nur ein Teil der Benutzer das Add-on bekommt, greift die Mischlizenz-Regel aus dem vorigen Abschnitt und der Tenant bleibt auf der Business-Premium-Erfahrung stehen.

Der Vergleich in einer Tabelle

Element im PortalA: keine Defender-LizenzB: Business PremiumC: BP plus Defender Suite
Bedrohungsrichtlinien, Quarantänejajaja
Safe Links, Safe Attachmentsneinjaja
Impersonation Protectionneinjaja
Echtzeiterkennungenneinjaersetzt durch Explorer
Threat Explorer, Kampagnenansichtneinneinja
Angriffssimulationstrainingneinneinja
Gerätebestand, EDRneinja (DfB)ja (DfE P2)
Advanced Hunting Endpoint, 6 Monateneinneinja
Deep Analysis in der Sandboxneinneinja
Bereich Identitätenneinneinja
Bereich Cloud-Appsneinneinja
Incident-Dashboard gefülltneinteilweiseja

Die mittlere Spalte ist die interessante. Business Premium ist kein Sparmodell mit Lücken, sondern ein vollständiger Schutz für Mail und Endgeräte, dem die Identitäts- und SaaS-Perspektive fehlt. Ob dir das reicht, hängt davon ab, ob ein lokales AD existiert und ob jemand die Signale überhaupt auswertet.

Was die Wege kosten

Ab hier wird gerechnet. Alle Angaben sind Microsoft-Listenpreise in US-Dollar pro Benutzer und Monat, Stand nach der Anpassung zum 1. Juli 2026. Der Euro-Listenpreis wird je Markt eigenständig festgelegt und lag nach der FX-Korrektur vom Februar 2026 unter dem, was die reine Umrechnung erwarten lässt. Zieh für die eigene Kalkulation die aktuellen Werte aus der Preisliste im Partner Center oder aus dem Admin Center unter Abrechnung. Die Systematik der Rechnung bleibt gleich, nur die Zahl ändert sich.

Basis-SKUs

SKUvor 1.7.2026ab 1.7.2026Veränderung
Office 365 E110,0010,00unverändert
Business Basic6,007,00plus 16,7 Prozent
Business Standard12,5014,00plus 12,0 Prozent
Business Premium22,0022,00unverändert
Office 365 E323,0026,00plus 13,0 Prozent
Microsoft 365 E336,0039,00plus 8,3 Prozent
Microsoft 365 E557,0060,00plus 5,3 Prozent

Business Premium und Office 365 E1 bleiben stehen. Für Umgebungen unter 300 Benutzern verschiebt das die Rechnung deutlich, weil die Alternative E3 teurer wird, während der SMB-Weg gleich bleibt.

Add-ons und Einzelprodukte

ProduktListenpreisBemerkung
Defender for Office 365 Plan 12,00ab Rollout in E3 enthalten, als Add-on damit hinfällig
Defender for Office 365 Plan 25,00
Defender for Endpoint Plan 12,50in Microsoft 365 E3 enthalten
Defender for Endpoint Plan 25,20
Defender for Business3,00bis 300 Benutzer
Defender for Identity5,50pro Benutzer, nicht pro Sensor
Defender for Cloud Apps5,00
Microsoft Defender Suite12,00Basis E3 erforderlich
Microsoft Defender Suite for Business Premium10,00Basis Business Premium, bis 300 Benutzer

Die Preise der Einzelprodukte schwanken zwischen den Microsoft-Preisseiten und den Angeboten der Distribution. Prüfe sie vor der Angebotsabgabe gegen die aktuelle Preisliste, statt diese Tabelle als Grundlage zu zitieren.

Rechnung 1: Warum die Suite die Einzelprodukte schlägt

Ein E3-Tenant will den vollen Defender-Stack. Der naheliegende Weg ist der Einkauf der vier Produkte einzeln.

PositionPreis
Defender for Endpoint Plan 25,20
Defender for Identity5,50
Defender for Office 365 Plan 25,00
Defender for Cloud Apps5,00
Summe Einzelprodukte20,70
Microsoft Defender Suite12,00
Differenz je Benutzer und Monat8,70

Die Suite kostet 42 Prozent weniger und enthält zusätzlich Entra ID P2, das im Einzelstack noch fehlen würde. Bei 500 Benutzern sind das 52.200 US-Dollar Unterschied pro Jahr für denselben Funktionsumfang. Der Einzelkauf lohnt nur, wenn du genau ein Produkt brauchst, etwa Defender for Identity für ein reines AD-Schutzprojekt.

Rechnung 2: E3 plus Suite gegen E5

Der Vergleich, der bei jeder Verlängerung ab 300 Benutzern auf dem Tisch liegt.

Varianteje Benutzer und Monat500 Benutzer pro Jahr2.000 Benutzer pro Jahr
Microsoft 365 E339,00234.000936.000
E3 plus Defender Suite51,00306.0001.224.000
Microsoft 365 E560,00360.0001.440.000
Differenz E5 gegen E3 plus Suite9,0054.000216.000

Für diese Differenz bekommst du in E5 die Purview-Compliance-Funktionen, Power BI Pro und die Telefonie-Grundlagen. Die Frage ist nicht, ob das Geld wert ist, sondern ob du es einsetzt. Prüfe konkret: Läuft mindestens eine DLP-Richtlinie im Blockier-Modus? Gibt es aktive eDiscovery-Fälle? Nutzt jemand Communication Compliance? Sind alle drei Antworten nein, zahlst du 9 US-Dollar pro Benutzer und Monat für Funktionen ohne Betrieb.

Umgekehrt gilt: Wenn Purview aus einem Audit heraus vorgeschrieben ist, etwa aus ISO 27001, TISAX oder einer aufsichtsrechtlichen Anforderung, ist E5 der kürzere Weg. Der Nachkauf der Compliance-Bausteine zu E3 plus Suite führt am Ende über den E5-Preis.

Rechnung 3: Business Premium unter 300 Benutzern

Varianteje Benutzer und Monat120 Benutzer pro Jahr
Business Premium22,0031.680
Business Premium plus Defender Suite for Business Premium32,0046.080
Microsoft 365 E339,0056.160
E3 plus Defender Suite51,0073.440
Microsoft 365 E560,0086.400

Der Sprung von Business Premium auf das Add-on kostet 14.400 US-Dollar im Jahr und bringt Explorer, Advanced Hunting mit voller Retention, Defender for Identity, Defender for Cloud Apps und Entra ID P2. Dieselbe Funktionsmenge über E3 plus Suite kostet 73.440 US-Dollar, also 59 Prozent mehr, weil du die E3-Basis mitkaufst, deren Produktivitätsanteil Business Premium bereits abdeckt.

Solange die 300er-Grenze nicht in Sicht ist, ist der SMB-Weg der günstigere. Plane den Wechsel trotzdem, bevor die Grenze erreicht wird, denn die Migration von Defender for Business auf Plan 2 ist kein Lizenztausch im laufenden Betrieb, sondern erfordert die Umstellung aller Benutzer und ein Support-Ticket.

Rechnung 4: Was die Mischlizenz kostet

Microsofts Beispiel in Zahlen. 80 Benutzer mit Business Premium, dazu 30 Lizenzen Defender Suite für einzelne Benutzer, in der Annahme, man könne schrittweise migrieren.

PositionRechnungKosten pro Jahr
80 Business Premium80 × 22,00 × 1221.120
30 Defender Suite for Business Premium30 × 10,00 × 123.600
Gesamt24.720
Davon wirkungslosdie 30 Add-on-Lizenzen3.600

Der Tenant bleibt auf der Defender-for-Business-Erfahrung, weil Defender for Business keine gemischte Lizenzierung unterstützt. Die 30 Add-ons erscheinen in der Abrechnung, aber nicht im Portal. Rechne den Fehler auf eine Laufzeit von drei Jahren hoch und du bist bei 10.800 US-Dollar für nichts.

Der korrekte Weg kostet mehr und wirkt: alle 80 Benutzer mit dem Add-on ausstatten, also 80 × 32,00 × 12 = 30.720 US-Dollar pro Jahr, und anschließend den Support kontaktieren, damit der Tenant auf die Plan-2-Erfahrung umgestellt wird.

Rechnung 5: Was das Packaging-Update spart

Wer heute E3 fährt und Defender for Office 365 Plan 1 als Add-on dazugekauft hat, zahlt diesen Posten nach dem Rollout doppelt.

PositionRechnungKosten pro Jahr
500 × DfO Plan 1 als Add-on500 × 2,00 × 1212.000
nach Rollout in E3 enthalten

Setz dir eine Erinnerung auf den Tag, an dem MC1304290 für deinen Tenant abgeschlossen meldet, und kündige das Add-on zum nächsten Termin. Dasselbe gilt für Drittanbieter-Gateways, die ausschließlich Safe-Links-Funktionalität geliefert haben.

Gegenrechnung nicht vergessen: E3 steigt gleichzeitig um 3,00 US-Dollar je Benutzer und Monat, bei 500 Benutzern also um 18.000 US-Dollar pro Jahr. Die Ersparnis beim Add-on federt den Anstieg zu zwei Dritteln ab, sie hebt ihn nicht auf.

Passend dazu: Der Microsoft Preiserhöhung Tracker hält die Listenpreise nach jeder Anpassung nach, damit du nicht mit veralteten Zahlen kalkulierst, und der Purview DLP Architektur- und Strategie-Guide beantwortet die Frage aus Rechnung 2, ob deine DLP-Richtlinien den E5-Aufschlag überhaupt rechtfertigen.

Entscheidungsmatrix

BedarfPassende LizenzFällt weg
Bis 300 Benutzer, Mail und Endgeräte abgesichertBusiness PremiumAdvanced Hunting mit 6 Monaten, Deep Analysis, Defender Experts
Bis 300 Benutzer, EDR mit Hunting nötigBusiness Premium plus Defender Suite for Business Premium, alle BenutzerUmschaltung nur per Support-Ticket
Ab 300 Benutzer, Basisschutz Mail und Prävention EndpointMicrosoft 365 E3 (ab Sommer 2026 inkl. Defender for Office P1)EDR, AIR, Threat Explorer, Schwachstellenmanagement
Ab 300 Benutzer, vollständiger Security-StackMicrosoft 365 E3 plus Defender SuitePurview-Compliance-Funktionen aus E5
Ab 300 Benutzer, Security und ComplianceMicrosoft 365 E5höherer Listenpreis, Nutzung muss aktiv erschlossen werden
Nur Identitätsschutz für lokales ADDefender for Identity Standalone, pro BenutzerEndpoint- und Mail-Signale in XDR
Nur Schatten-IT-TransparenzDefender for Cloud Apps StandaloneEndpoint- und Mail-Signale in XDR

Was der Tenant tatsächlich hat

Vor jeder Verlängerung lohnt eine Bestandsaufnahme aus dem Tenant statt aus dem Angebot. Der schnellste Weg führt über Microsoft Graph, weil du dort Abonnements und Service Plans in einem Durchlauf siehst.

Ein Wort zur Modulwahl, bevor du kopierst. Das naheliegende Cmdlet Get-MgSubscribedSku liegt im Sub-Modul Microsoft.Graph.Identity.DirectoryManagement. Wer nur Microsoft.Graph.Authentication installiert hat, kann Connect-MgGraph ausführen und scheitert danach an der Meldung, das Cmdlet sei nicht bekannt. Die folgende Variante ruft die API direkt auf und läuft deshalb überall, wo die Anmeldung schon funktioniert.

Connect-MgGraph -Scopes "Directory.Read.All" -NoWelcome

$Skus = (Invoke-MgGraphRequest -Method GET `
    -Uri 'https://graph.microsoft.com/v1.0/subscribedSkus').value

$Skus | ForEach-Object {
    [PSCustomObject]@{
        Sku      = $_.skuPartNumber
        Gekauft  = $_.prepaidUnits.enabled
        Vergeben = $_.consumedUnits
    }
} | Sort-Object Sku | Format-Table -AutoSize

Für die Defender-Anteile innerhalb der Suiten musst du eine Ebene tiefer gehen, weil ein SKU-Name wie ENTERPRISEPREMIUM nichts darüber sagt, welche Service Plans darin aktiv sind. Deaktivierte Service Plans sind ein häufiger Grund dafür, dass eine bezahlte Funktion im Portal fehlt.

$Skus | ForEach-Object {
    $Sku = $_.skuPartNumber
    $_.servicePlans |
        Where-Object { $_.servicePlanName -match 'ATP|DEFENDER|ATA_|ADALLOM|THREAT' } |
        ForEach-Object {
            [PSCustomObject]@{
                Sku         = $Sku
                ServicePlan = $_.servicePlanName
                Status      = $_.provisioningStatus
            }
        }
} | Format-Table -AutoSize

Für die Zuordnung der Ergebnisse zu den Produktnamen hilft diese Übersicht der häufigsten Service Plans:

Service PlanProdukt
ATP_ENTERPRISEDefender for Office 365 Plan 1
THREAT_INTELLIGENCEDefender for Office 365 Plan 2
WINDEFATPDefender for Endpoint Plan 2
MDE_LITEDefender for Endpoint Plan 1
MDE_SMBDefender for Business
ATADefender for Identity
ADALLOM_S_STANDALONEDefender for Cloud Apps
MTPMicrosoft Threat Protection, die XDR-Ebene

Prüfe die Bezeichner gegen die Microsoft-Referenz zu Produktnamen und Service-Plan-Bezeichnern, weil Microsoft sie gelegentlich umbenennt.

Wenn du lieber mit den Cmdlets arbeitest, installier das Sub-Modul nach und achte auf drei Stolperfallen:

  • Alle SDK-Sub-Module müssen auf derselben Version laufen. Eine gemischte Versionslage bringt Metadaten-Inkompatibilitäten mit, die sich als unerklärliche Parameterfehler zeigen.
  • Windows PowerShell 5.1 und PowerShell 7 nutzen getrennte Modulpfade. Ein Modul, das in der einen Konsole vorhanden ist, fehlt in der anderen.
  • In Windows PowerShell sprengt das komplette SDK das Standardlimit von 4096 Funktionen. Setz $MaximumFunctionCount = 8192 oder arbeite in PowerShell 7.
Install-Module Microsoft.Graph.Identity.DirectoryManagement -Scope CurrentUser -Force
Get-Module Microsoft.Graph* -ListAvailable |
    Select-Object Name, Version | Sort-Object Version

Ergänzend zeigt das Admin Center unter Abrechnung, welche Abonnements aktiv sind und wann sie verlängert werden.

Passend dazu: Organisationseinstellungen per PowerShell liefert die Modul- und Verbindungsgrundlagen, an denen die Graph-Skripte oben sonst scheitern.

Fazit

Die Defender-Lizenzierung ist nicht kompliziert, weil die Produkte kompliziert wären, sondern weil die Benennung dreimal geändert wurde und Microsoft dieselben Bausteine über Suiten, Add-ons und Einzelprodukte parallel verkauft. Wer bei Beschaffungsgesprächen von einer Defender-Lizenz spricht, redet über mindestens sieben Produkte und riskiert eine Zuweisung, die im Tenant anders wirkt als im Angebot.

Vier Aussagen halten der Prüfung stand und tragen jede Planung.

  • Erstens: Defender XDR kostet nichts extra, sein Nutzen skaliert aber ausschließlich mit den lizenzierten Workloads. Ein leeres Incident-Dashboard ist kein Konfigurationsproblem, sondern ein Lizenzproblem.
  • Zweitens: Defender for Endpoint Plan 1 erkennt keine laufenden Angriffe. Wer EDR braucht und mit E3 plant, braucht ein Add-on.
  • Drittens: Der Mischbetrieb aus Defender for Business und Plan 2 kostet Geld ohne Gegenwert, weil der Tenant auf die kleinere Erfahrung zurückfällt, bis alle Benutzer umlizenziert und der Wechsel per Support angefordert wurde.
  • Viertens: Der Einzelkauf der vier Defender-Produkte kostet 20,70 US-Dollar je Benutzer und Monat, die Defender Suite 12,00. Wer mehr als zwei Produkte braucht, kauft die Suite.

Für die konkrete Entscheidung gilt eine einfache Reihenfolge. Bestimme zuerst, welche Signalquellen du überhaupt auswerten willst und wer sie auswertet. Ein SOC-loses Team gewinnt aus Advanced Hunting und sechs Monaten Telemetrie wenig, während Safe Attachments und Angriffsflächenreduzierung sofort wirken. Prüfe danach, welche Add-ons du heute parallel bezahlst, weil die E3-Erweiterung vom Sommer 2026 einige davon überflüssig macht. Erst dann vergleiche E5 gegen E3 plus Defender Suite, und rechne den Preisanstieg zum 1. Juli 2026 in beide Varianten ein.

Der Zeitpunkt der Verlängerung ist dabei der stärkste Hebel, den du hast. Bestandskunden bleiben bis zur nächsten Verlängerung auf den alten Preisen, während die neuen Suite-Inhalte unabhängig davon im Tenant ankommen. Wer den Rollout im Message Center verfolgt und die Lizenzzuweisung danach aufräumt, holt aus derselben Vertragssumme mehr Schutz heraus als jemand, der erst beim nächsten Audit hinsieht.


Weiterlesen: Der MS365 Lizenzberater rechnet die hier beschriebenen Wege gegen deine konkrete Benutzerzahl durch, und der MS365 Lizenzvergleich stellt die Suiten Feld für Feld gegenüber, wenn du den E3-gegen-E5-Vergleich über Security hinaus führen musst.

PhinIT.DE Artikel | Exchange Online Hardeninghttps://phinit.de/2025/12/25/microsoft365-exchange-online-hardening
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