Azure
Azure Key Vault
Allgemeine Infos
Azure Key Vault speichert Geheimnisse (Kennwörter, Verbindungszeichenfolgen, API-Schlüssel), kryptografische Schlüssel und TLS-Zertifikate. Anwendungen und Admins rufen Werte zur Laufzeit ab, statt sie in Konfigurationsdateien oder Code abzulegen. Die Anmeldung erfolgt immer über Microsoft Entra ID.
Es gibt zwei Tarife: Standard schützt Schlüssel per Software (FIPS 140 Level 1), Premium ergänzt HSM-geschützte Schlüssel in nach FIPS 140-3 Level 3 validierten HSMs. Für Workloads mit eigener HSM-Isolation gibt es zusätzlich den separaten Dienst Managed HSM.
Wichtige Änderung: Ab API-Version 2026-02-01 ist Azure RBAC das Standard-Zugriffsmodell für neu erstellte Tresore, wie bisher schon im Portal. Bestehende Tresore behalten ihr Modell. Alle Control-Plane-API-Versionen vor 2026-02-01 werden am 27. Februar 2027 eingestellt. Templates, die neue Tresore ohne Angabe von enableRbacAuthorization erstellen, erzeugen damit RBAC-Tresore, und dort definierte Zugriffsrichtlinien greifen nicht mehr.
Funktionsweise & Details
Key Vault trennt Verwaltungsebene und Datenebene:
- Die Verwaltungsebene (Tresor anlegen, Netzwerk, Einstellungen) steuerst Du per Azure RBAC, etwa mit der Rolle Key Vault Contributor. Diese Rolle gibt keinen Zugriff auf Inhalte.
- Die Datenebene steuerst Du per Azure RBAC mit Rollen wie Key Vault Secrets User (Secrets lesen) oder Key Vault Administrator, alternativ mit den älteren Zugriffsrichtlinien.
- Anwendungen authentifizieren sich per Managed Identity und lesen Secrets über die REST-API, SDKs oder Key-Vault-Referenzen in App Service und Functions.
- Soft Delete ist für neue Tresore standardmäßig aktiv und lässt sich nicht deaktivieren. Die Aufbewahrung beträgt 7 bis 90 Tage (Standard 90) und wird bei der Erstellung festgelegt.
- Purge Protection verhindert das endgültige Löschen vor Ablauf der Aufbewahrung.
- Zertifikate lassen sich mit Ablaufrichtlinien automatisch bei integrierten Zertifizierungsstellen erneuern, Schlüssel über Rotationsrichtlinien.
Diagnoseprotokolle zeigen in Log Analytics, welche Identität wann auf welches Objekt zugegriffen hat.
Vorteile & Nutzen
- Keine Kennwörter im Code oder in Pipelines, weil Anwendungen per Managed Identity zur Laufzeit zugreifen.
- Nachvollziehbare Zugriffe durch Protokollierung jedes Lesezugriffs auf Secrets und Schlüssel.
- Schutz vor versehentlichem oder böswilligem Löschen durch Soft Delete und Purge Protection.
- Kundenseitig verwaltete Schlüssel (CMK) für Storage, SQL oder Disks liegen zentral und lassen sich rotieren.
- Automatische Zertifikatserneuerung verhindert Ausfälle durch abgelaufene TLS-Zertifikate.
Praxisbeispiel
Ein Softwarehaus für Branchenlösungen mit 70 Mitarbeitenden hatte Datenbank-Kennwörter in den App-Settings mehrerer Kundenumgebungen hinterlegt. Bei einem Audit fiel auf, dass ehemalige Entwickler die Werte noch kannten. Die IT legt pro Anwendung und Umgebung einen Key Vault mit RBAC-Modell an, vergibt den Web-Apps per Managed Identity die Rolle Key Vault Secrets User und ersetzt die App-Settings durch Key-Vault-Referenzen. Danach werden alle Kennwörter rotiert, und Zugriffe sind in Log Analytics auswertbar.
Worauf sollte man achten?
- Nutze Azure RBAC statt Zugriffsrichtlinien und setze in Templates enableRbacAuthorization explizit, damit das Verhalten nicht von der API-Version abhängt.
- Aktualisiere Skripte, Templates und SDKs auf API-Version 2026-02-01 oder neuer, bevor ältere Versionen am 27. Februar 2027 eingestellt werden.
- Aktiviere Purge Protection für produktive Tresore, besonders wenn sie CMK-Schlüssel für Storage oder Disks enthalten.
- Trenne Tresore pro Anwendung und Umgebung und vergib Rollen auf Tresorebene, nicht auf einzelne Secrets.
- Schränke den Netzwerkzugriff per Private Endpoint oder Firewall ein und überwache Zugriffe mit Alarmen.
Lizenz & Verfügbarkeit
Abrechnung über das Azure-Abonnement nach Operationen (Transaktionen) und Schlüsseltyp. Premium berechnet HSM-geschützte Schlüssel zusätzlich pro Schlüssel und Monat, Zertifikatserneuerungen werden pro Vorgang berechnet. Managed HSM wird pro Stunde und HSM-Pool abgerechnet. Control-Plane-API-Versionen vor 2026-02-01 werden am 27. Februar 2027 eingestellt. Stand: Oktober 2026.
Fazit
Key Vault gehört in jede Azure-Architektur, in der Anwendungen Geheimnisse brauchen. Setze auf RBAC, Managed Identities und Purge Protection und prüfe Deine Templates auf die neue API-Version.
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