Azure
Azure NetApp Files (ANF)
Allgemeine Infos
Azure NetApp Files (ANF) ist ein First-Party-Dienst von Azure: Du bestellst und verwaltest ihn wie jeden anderen Azure-Dienst, die Speicherhardware ist eine Bare-Metal-Flotte mit NetApp ONTAP in Azure-Rechenzentren. Volumes werden per NFSv3, NFSv4.1, SMB 3.0 und 3.1.1 oder gleichzeitig per Dual-Protocol freigegeben, zusätzlich gibt es eine S3-kompatible Object-REST-API.
Einsatzszenarien sind Workloads mit hohem Durchsatz und konstanter Latenz: SAP HANA und SAP NetWeaver, Oracle und SQL Server, FSLogix-Profilcontainer für Azure Virtual Desktop und Citrix, HPC und Chipdesign (EDA), Datastores für Azure VMware Solution sowie persistente Volumes für AKS über NetApp Trident.
Abgrenzung: Azure Files liegt in einem Azure Storage Account, rechnet je nach Modell nach Verbrauch oder Bereitstellung ab und passt für den klassischen Dateiserver-Ersatz und kleinere AVD-Umgebungen. Azure NetApp Files rechnet immer nach bereitgestellter Poolkapazität ab und zielt auf Leistung, große Volumes und Funktionen wie anwendungsbezogene Snapshots. Azure File Sync ist ein eigener Dienst, der Azure-Files-Freigaben auf Windows-Servern zwischenspeichert.
Aktuell gibt es neben Standard, Premium und Ultra den Servicelevel Flexible, bei dem Kapazität und Durchsatz getrennt bereitgestellt werden, sowie den zonenredundanten Servicelevel Elastic als Preview. Cool Access verschiebt selten genutzte Daten in ein Azure-Speicherkonto, über OneLake lässt sich ANF an Microsoft Fabric anbinden.
Funktionsweise & Details
Azure NetApp Files folgt einer festen Hierarchie:
- NetApp-Konto: regionale Verwaltungsklammer für Kapazitätspools, nicht zu verwechseln mit einem Azure Storage Account.
- Kapazitätspool: legt Servicelevel und QoS-Typ fest und wird in Schritten von 1 TiB zwischen 1 TiB und 2.048 TiB bereitgestellt. Ein Pool hat genau einen Servicelevel.
- Volume: erhält eine Quote aus dem Pool (regulär 50 GiB bis 100 TiB, große Volumes ab 50 TiB bis 1 PiB) und ein Protokoll. Beim ersten Volume legt ANF einen Speicherendpunkt mit eigener IP-Adresse im delegierten Subnetz des VNets an, den die Clients einbinden.
- Durchsatz: Bei Auto-QoS ergibt er sich aus Quote mal Servicelevel (Standard bis 16, Premium bis 64, Ultra bis 128 MiB/s pro TiB). Bei Manual-QoS verteilst Du den Pooldurchsatz frei auf die Volumes, Flexible startet mit 128 MiB/s Grunddurchsatz unabhängig von der Poolgröße.
- Datenschutz: Inkrementelle Snapshots, Backup in einen Tresor, regionen- oder zonenübergreifende Replikation, Verschlüsselung mit plattform- oder kundenverwalteten Schlüsseln und eine ML-gestützte Ransomware-Erkennung ergänzen die Volumes.
Vorteile & Nutzen
- Planbare Leistung: Der Durchsatz hängt an Servicelevel und Quote und lässt sich durch einen Wechsel des Servicelevels im laufenden Betrieb anpassen.
- Mehrere Protokolle: NFS, SMB und Dual-Protocol auf demselben Dienst decken Linux- und Windows-Workloads ab, auch gemeinsam auf einem Volume.
- Schnelle Wiederherstellung: Snapshots arbeiten blockbasiert und inkrementell und lassen sich als Restore oder Revert zurückspielen.
- Vorlagen für Anwendungen: Application Volume Groups legen alle Volumes einer Anwendung wie SAP HANA nach Best Practice in einem Schritt an.
- Große Datenmengen: Große Volumes bis 1 PiB, mit Cool Access bis 7,2 PiB, ersparen das Aufteilen von Datenbeständen auf viele Freigaben.
Praxisbeispiel
Ein Automobilzulieferer mit 1.200 Mitarbeitenden zieht seine SAP-S/4HANA-Landschaft in eine westeuropäische Azure-Region um. Die Daten- und Log-Volumes der HANA-Datenbank liegen auf Azure NetApp Files im Servicelevel Ultra, angelegt über eine Application Volume Group, Shared- und Backup-Volumes im Servicelevel Standard. Vor jedem Transport-Import erstellt das Basis-Team einen Snapshot, der bei Problemen per Revert zurückgespielt wird. Eine regionenübergreifende Replikation in eine zweite Region dient als Disaster-Recovery-Kopie.
Worauf sollte man achten?
- Der Pool wird voll berechnet, auch wenn Volumes nur einen Teil belegen. Passe Poolgröße und Quoten regelmäßig an, Änderungen greifen ab der nächsten stündlichen Messung.
- Snapshots zählen gegen die Quote des Volumes. Plane Puffer ein, sonst läuft das Volume voll, obwohl der Pool noch Platz hat.
- Für SMB-Volumes brauchst Du eine Active-Directory-Verbindung im NetApp-Konto. Kläre DNS, Organisationseinheit und Dienstkonto vor dem ersten Volume.
- Delegiere ein eigenes Subnetz an Azure NetApp Files und plane es groß genug, weil dort die Speicherendpunkte entstehen.
- Daten im Cool Tier fallen aus der Reservierung heraus und werden separat berechnet. Wähle die Abkühlphase (2 bis 183 Tage) passend zum Zugriffsmuster.
Lizenz & Verfügbarkeit
Keine separate Lizenz, Abrechnung über das Azure-Abonnement nach bereitgestellter Größe des Kapazitätspools je Servicelevel, stündlich gemessen und unabhängig von der belegten Menge. Bei Standard, Premium und Ultra ist der Durchsatz im Kapazitätspreis enthalten, bei Flexible wird Durchsatz oberhalb des Grundwerts von 128 MiB/s zusätzlich berechnet. Snapshots kosten nichts extra, belegen aber Quote. Cool-Tier-Daten, Backup und regionenübergreifende Replikation sind eigene Posten. Reservierte Kapazität gewährt Rabatt auf die Poolkapazität, nicht auf Cool-Tier-Daten. Der Servicelevel Elastic ist Preview. Stand: Oktober 2026.
Fazit
Azure NetApp Files ist die Wahl für SAP, Datenbanken und große VDI-Umgebungen, die mehr Leistung brauchen als Azure Files liefert. Für einfache Dateifreigaben reicht in der Regel Azure Files, das ohne Mindestpool von 1 TiB auskommt.
Weiterführende Links
Verwandte Artikel
Microsoft 365
Jetzt umsteigen | Ende - AZURE AD Graph
Microsoft 365
Azure Services | Dein ultimativer Überblick
Microsoft 365
Microsoft Purview | Sensitivity Labels: Architektur & Praxis-Guide
Microsoft