Database Availability Group (DAG)

Allgemeine Infos

Eine Database Availability Group (DAG) ist die Hochverfügbarkeits- und Standortresilienz-Funktion von Exchange Server für Postfachdatenbanken. Bis zu 16 Mailbox-Server können in einer DAG Kopien derselben Datenbanken halten. Fällt ein Server, ein Datenträger oder eine Datenbank aus, wird eine andere Kopie aktiv, ohne dass Anwender ihr Outlook-Profil ändern müssen.

Jede DAG baut auf einem Windows-Failovercluster auf, den Exchange beim Hinzufügen des ersten Servers automatisch anlegt. Der Cluster muss der DAG exklusiv gehören, Shared Storage ist nicht nötig, weil jeder Server eigene Datenbankkopien auf lokalen Datenträgern hält. Alle Mitglieder müssen dieselbe Exchange-Version ausführen.

Eine DAG ist nicht der Enterprise Edition vorbehalten: Auch Exchange Standard unterstützt DAGs, begrenzt aber die Zahl eingehängter Datenbanken auf 5 je Server (Enterprise: 100). Wichtig zur Abgrenzung: Eine DAG schützt vor Hardware- und Serverausfällen, ersetzt aber kein Backup, weil Löschungen und logische Fehler auf alle Kopien repliziert werden.

Funktionsweise & Details

Eine DAG entsteht und arbeitet in diesen Schritten:

  1. DAG mit New-DatabaseAvailabilityGroup anlegen und dabei Zeugenserver und Zeugenverzeichnis festlegen; empfohlen ist eine DAG ohne administrativen Zugriffspunkt (ohne Cluster-IP und Namensobjekt).
  2. Mailbox-Server mit Add-DatabaseAvailabilityGroupServer hinzufügen; Exchange richtet dabei den Failovercluster ein.
  3. Datenbankkopien hinzufügen; die Replikation läuft per Log Shipping, die passiven Kopien spielen die Transaktionsprotokolle fortlaufend ein.
  4. Der Active Manager überwacht Server und Datenbanken und aktiviert bei einem Ausfall automatisch die beste verfügbare Kopie.
  5. Das Quorum entscheidet über den Betrieb: Bei ungerader Mitgliederzahl gilt Knotenmehrheit, bei gerader Zahl zusätzlich der Zeugenserver. Verliert der Cluster das Quorum, werden alle Datenbanken ausgehängt.
  6. Optional verzögerte Kopien (Lagged Copies) als Schutz vor logischer Beschädigung einplanen.

Vorteile & Nutzen

  • Automatisches Failover bei Server-, Datenträger- oder Datenbankausfall verkürzt Ausfallzeiten ohne manuellen Eingriff.
  • Wartung und Updates einzelner Server ohne Mailausfall, weil aktive Datenbanken vorher auf andere Mitglieder verschoben werden.
  • Kopien an einem zweiten Standort decken Disaster-Recovery-Szenarien ab.
  • Kein Shared Storage nötig, deshalb reichen günstige lokale Datenträger je Server.

Praxisbeispiel

Ein Unternehmen mit zwei Standorten im Schwarzwald betreibt zwei Exchange-SE-Server in einer DAG, der Zeugenserver steht als einfacher Dateiserver an einem dritten Ort. Vor dem monatlichen Sicherheitsupdate versetzt die IT einen Server in den Wartungsmodus, verschiebt die aktiven Datenbanken auf den anderen Knoten und patcht in Ruhe. Die Anwender bemerken davon nichts. Für logische Fehler und Ransomware bleibt zusätzlich das tägliche Backup mit Wiederherstellungstests zuständig.

Worauf sollte man achten?

  • Eine DAG ist kein Backup: Gelöschte oder verschlüsselte Daten werden auf alle Kopien repliziert, ein getrenntes Backup bleibt Pflicht.
  • Zeugenserver an einem dritten Standort oder zumindest außerhalb der DAG-Mitglieder planen, sonst droht bei Netzwerkausfällen ein Quorumverlust.
  • Exchange Standard erlaubt nur 5 eingehängte Datenbanken je Server; plane Datenbankanzahl und Edition gemeinsam.
  • Replikationsnetz und Kopierwarteschlangen überwachen, weil eine verzögerte Replikation das Failover gefährdet.
  • Nach Updates Status der Datenbankkopien und des Inhaltsindex mit Get-MailboxDatabaseCopyStatus prüfen.

Lizenz & Verfügbarkeit

Die DAG ist in Exchange Server SE in der Standard- und der Enterprise Edition enthalten. Standard erlaubt bis zu 5, Enterprise bis zu 100 eingehängte Datenbanken je Server. Zusätzlich brauchst Du Windows-Server-Lizenzen für jeden Knoten sowie Exchange-Serverlizenzen und CALs mit Software Assurance oder passenden Abos. Stand: Oktober 2026.

Fazit

Eine DAG lohnt sich, wenn Exchange lokal ausfallsicher laufen muss. Für kleine Umgebungen ist ein einzelner Server mit gutem Backup oder der Wechsel nach Exchange Online oft die einfachere Wahl.