Object Storage

Allgemeine Infos

Object Storage speichert Daten als Objekte: Jedes Objekt besteht aus den Nutzdaten, Metadaten und einem eindeutigen Schlüssel innerhalb eines Containers bzw. Buckets. Statt einer Ordnerhierarchie gibt es einen flachen Namensraum, Pfade wie „ordner/datei“ sind nur Teil des Objektnamens. Zugriff erfolgt über HTTP(S)-APIs, nicht über klassische Dateifreigaben.

Die S3-API von Amazon ist der De-facto-Standard. Viele Anbieter und Produkte sind S3-kompatibel, darunter Wasabi, IONOS und weitere Cloud-Anbieter sowie lokale Lösungen wie MinIO oder S3-fähige NAS- und Storage-Systeme. Microsoft Azure nutzt mit Azure Blob Storage eine eigene API und bietet zusätzlich NFS-3.0- und SFTP-Zugriff.

Typische Einsatzgebiete sind Backup-Ziele, Archivierung, Medienablage, Logdaten und Data Lakes. Für Backups ist Object Storage besonders interessant, weil Funktionen wie S3 Object Lock oder die Azure-Unveränderlichkeitsrichtlinien unveränderliche Sicherungen ermöglichen. Abgrenzung: Block Storage (SAN, Managed Disks) und File Storage (NAS, Azure Files) arbeiten mit Blöcken bzw. Dateien und Sperrmechanismen für gleichzeitiges Bearbeiten.

Funktionsweise & Details

Der Aufbau am Beispiel Azure Blob Storage:

  1. Speicherkonto: liefert den eindeutigen Namensraum, z. B. https://<konto>.blob.core.windows.net.
  2. Container: gruppiert Objekte, vergleichbar mit einem S3-Bucket.
  3. Blob: das eigentliche Objekt. Block-Blobs eignen sich für Dateien und Backups, Append-Blobs für Protokolle, Page-Blobs für VM-Festplatten.
  4. Zugriff: REST-API, SDKs, Azure CLI, PowerShell, AzCopy sowie optional NFS 3.0 und SFTP.

Bei S3 entspricht das dem Dreiklang Bucket, Key, Objekt. Objekte werden in der Regel als Ganzes geschrieben und ersetzt, nicht teilweise geändert. Versionierung, Lebenszyklusregeln, Replikation zwischen Regionen und Objektsperren sind Eigenschaften des Buckets bzw. Containers.

Vorteile & Nutzen

  • Nahezu unbegrenzte Skalierung, weil der flache Namensraum keine Verzeichnisgrenzen kennt.
  • Unveränderlichkeit per Object Lock bzw. WORM-Richtlinie, wodurch Backups gegen Löschung durch Angreifer geschützt werden.
  • Breite Unterstützung durch Backup-Software, da S3 als Zielprotokoll Standard ist.
  • Kosteneffizient für große, selten geänderte Datenmengen, zumal kühlere Tiers für Archivdaten verfügbar sind.

Praxisbeispiel

Ein Logistikunternehmen mit 220 Mitarbeitenden möchte seine Bandrotation ablösen. Die IT richtet einen S3-kompatiblen Bucket bei einem deutschen Cloud-Anbieter mit Object Lock im Compliance-Modus ein und bindet ihn als Capacity-Tier in die Backup-Software ein. Sicherungen werden nach dem Nachtlauf automatisch übertragen und 30 Tage gesperrt, das wöchentliche Wechseln der Bänder entfällt.

Worauf sollte man achten?

  • Prüfe die S3-Kompatibilität des Anbieters gegen die Kompatibilitätsliste Deiner Backup-Software, insbesondere für Object Lock und Versionierung.
  • Kalkuliere neben der Kapazität auch API-Aufrufe, Abrufkosten und Egress, falls der Anbieter diese berechnet.
  • Nutze für Backup-Software eigene Zugangsschlüssel mit minimalen Rechten und ohne Berechtigung zum Ändern der Bucket-Sperre.
  • Beachte Datenstandort und Auftragsverarbeitung nach DSGVO, wenn personenbezogene Daten in fremde Rechenzentren gesichert werden.

Lizenz & Verfügbarkeit

Object Storage wird überwiegend nutzungsbasiert abgerechnet (Kapazität, Transaktionen, teils Abruf und ausgehender Datenverkehr), einige Anbieter rechnen pauschal pro Kapazität ab. Azure Blob Storage wird pro Speicherkonto nach Tier, Kapazität und Vorgängen abgerechnet. Lokale S3-Lösungen gibt es als Open-Source- und kommerzielle Software sowie integriert in Storage-Systeme; Lizenzmodelle variieren je nach Produkt. Stand: Oktober 2026.

Fazit

Object Storage ist das bevorzugte Ziel für Offsite- und unveränderliche Backups. Achte bei der Auswahl auf echte S3-Kompatibilität inklusive Object Lock und auf ein transparentes Kostenmodell.