Bare Metal Recovery (BMR)

Allgemeine Infos

Bare Metal Recovery (BMR) bezeichnet die vollständige Wiederherstellung eines Systems auf „nackter“ Hardware, also auf einem Rechner ohne installiertes Betriebssystem. Zurückgespielt werden Partitionierung, Bootkonfiguration, Betriebssystem, Treiber, Anwendungen und Daten in einem Durchgang.

BMR ist vor allem für physische Server relevant: Domänencontroller auf Hardware, Hyper-V-Hosts, Server mit Spezialhardware oder Dongles. Bei virtuellen Maschinen übernimmt die Backup-Software das meist auf Ebene der VM, ohne dass ein eigenes Recovery-Medium nötig ist.

Unterstützt wird BMR u. a. von Windows Server Backup (Befehl wbadmin start sysrecovery aus der Windows-Wiederherstellungsumgebung), vom Veeam Agent für Windows und Linux über ein Recovery-Medium sowie von weiteren Backup-Lösungen. Abgrenzung: Eine Systemstatus-Sicherung (System State) enthält nur Registry, AD-Datenbank und Bootdateien und ersetzt keine BMR.

Funktionsweise & Details

Der Ablauf am Beispiel Windows Server Backup:

  1. Eine Sicherung mit der Option „Bare Metal Recovery“ bzw. aller kritischen Volumes auf ein externes Laufwerk oder eine Netzwerkfreigabe erstellen.
  2. Im Ernstfall den Zielrechner vom Windows-Installationsmedium oder einem Recovery-Medium starten und die Wiederherstellungsumgebung (WinRE) öffnen.
  3. Die Systemabbild-Wiederherstellung wählen oder per Befehlszeile wbadmin start sysrecovery mit Version und Sicherungsziel aufrufen. Mit -recreateDisks wird die Datenträgerkonfiguration neu angelegt, dabei gehen Daten auf den Zielvolumes verloren.
  4. Nach dem Neustart Treiber für abweichende Hardware (Storage-Controller, Netzwerk) prüfen und nachinstallieren.

Bei Veeam wird aus der Konsole oder dem Agent ein bootfähiges Recovery-Medium erzeugt, das Netzwerkzugriff auf das Repository herstellt und die Wiederherstellung startet.

Vorteile & Nutzen

  • Kurze Wiederanlaufzeit für physische Server, weil die manuelle Neuinstallation und Konfiguration entfällt.
  • Konsistenter Systemzustand, da Betriebssystem, Rollen und Konfiguration exakt dem Sicherungszeitpunkt entsprechen.
  • Wiederherstellung auf Ersatzhardware möglich, was beim Totalausfall eines Servers die Abhängigkeit vom Hersteller-Service verringert.
  • Migration von physisch zu virtuell (P2V) als Nebeneffekt, wenn die Backup-Software das Zurückspielen in eine VM unterstützt.

Praxisbeispiel

Bei einem Galvanikbetrieb mit 90 Mitarbeitenden fällt der physische Server für die Anlagensteuerung nach einem Mainboard-Defekt aus. Die IT bootet ein Ersatzgerät vom zuvor erstellten Veeam-Recovery-Medium, verbindet sich mit dem Repository und spielt das letzte Nachtsicherungsabbild zurück. Nach dem Nachinstallieren des RAID-Treibers läuft das System nach zweieinhalb Stunden wieder, ohne dass die Steuerungssoftware neu eingerichtet werden muss.

Worauf sollte man achten?

  • Erstelle das Recovery-Medium vorab und teste es auf der aktuellen Hardware, denn fehlende Storage-Treiber sind die häufigste Ursache für gescheiterte BMR.
  • Bewahre Recovery-Medium und Zugangsdaten zum Repository so auf, dass sie auch ohne funktionierendes Active Directory nutzbar sind.
  • Beachte BitLocker: Für verschlüsselte Volumes brauchst Du den Wiederherstellungsschlüssel außerhalb des ausgefallenen Systems.
  • Teste die Wiederherstellung auf abweichender Hardware oder in eine VM, damit Du nicht erst im Ernstfall feststellst, dass Ersatzgeräte nicht booten.

Lizenz & Verfügbarkeit

Bare Metal Recovery ist in Windows Server Backup sowie in den Agents gängiger Backup-Software (z. B. Veeam Agent) enthalten; der Funktionsumfang hängt von Produkt und Edition ab. Stand: Oktober 2026.

Fazit

Bare Metal Recovery ist der schnellste Weg, einen ausgefallenen physischen Server zurückzuholen. Prüfe sie regelmäßig auf Ersatzhardware, weil erst der Test zeigt, ob Treiber und Recovery-Medium passen.